"Das war doch nur Spaß" - ein Filmprojekt
Gewalt ist für Kinder und Jugendliche ein brandheißes Thema, es berührt heikle Situationen. Gewalt auf dem Schulhof, Gewalt von Eltern gegen Kinder, gewalttätige Jugendliche. Wie geht man mit einem so schwierigen Thema um?
Im Frühjahr 2008 entstand gemeinsam mit Jugendlichen des Kinder- und Jugendrates die Idee, in den Sommerferien ein Filmprojekt zum Thema anzubieten.
Insgesamt zwölf Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus unterschiedlichen Nationen und Schulformen beteiligten sich und drehten den 18-minütigen Spielfilm "Es war doch nur Spaß".
Der Film von und mit Tahir Ahmad, Pia Andresen, Dajana Behrens, Sascha Divengele, Nebil Drihi, Sarah Koch, Robin Matysik, Hamsa Omeiratte, Volkan Sentürk, Dominik Sievert, Fuad Tahri, Yasemin Töre wurde von der Filmemacherin Ulrike Korbach aus Dortmund und der Pädagogin Sabine Patze begleitet.
Darum geht es im Film:
Der Schüler Yassir ist in der Schule ein Opfer von Mobbing und wird zuhause oft erniedrigt. Mit seinen Gefühlen und Gedanken wendet er sich an sein Videotagebuch. An einem Tag, an dem anscheinend wieder mal alles gegen ihn läuft, spielt er verschiedene Auswege aus seiner Hilflosigkeit durch, bis er sich entscheidet, einmal seine Ohnmacht zu durchbrechen. Yassir läuft Amok.
Die Jugendlichen berichten in ihrem eindrucksvollen Film über Gewalterfahrung, erzählen ihre Geschichte konsequent aus ihrer Sicht, zeigen wie im Hauptdarsteller jene Gefühle wachsen, die ihn am Ende des Films zu einem radikalen Schritt veranlassen.
Ein Projektteilnehmer zur Entstehungsgeschichte:
"Einige von uns hatten persönliche Mobbingerfahrung. Zur Entwicklung der Geschichte sowie zur Vorbereitung auf die Rollen haben alle Teilnehmer über Mobbing, über die Strukturen, die dazu führen, Persönlichkeitsmerkmale von Mobbern, Hilfsmöglichkeiten in der Schule und andere Auswege diskutiert. Zum Schluss stand für uns alle fest, dass wir ein Zeichen setzen wollten. Jede Form einer Wende zum Guten wäre für uns eine Verharmlosung des Leidensweges von Yassir gewesen. Die Projektleitung war einverstanden und so machten wir uns an die Arbeit. Das Ergebnis ist genau so wie wir es uns vorgestellt haben und wir haben eine tolle Zeit miteinander verbracht."
Die Filmpremiere erfolgte im Oktober 2008. Im Rahmen der städtischen Jugendschutzprojekte wurde der Film seitdem in den weiterführenden Schulen in einer gekürzter Fassung gezeigt.
Erwachsene Schauspieler des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund setzten sich zeitgleich mit dem Thema auseinander, entwickelten die Inszenierung "der Junge, der unsichtbar wurde" und luden im Januar 2009 die Iserlohner Filmemacher zu einem Themenabend ins Dortmunder Jugendtheater ein.
Die zwei Projekte, die unabhängig voneinander entstanden sind, weisen erstaunliche Parallelen auf. Der Themenabend bot neben den Aufführungen Gelegenheit, mit allen Beteiligten über Theaterstück, Film, Intention sowie Projektverlauf zu diskutieren.
Im Frühjahr 2009 beteiligte sich die Iserlohner Filmcrew beim Bundeswettbewerb "Deutscher Videopreis 2009", der als Medienkulturwettbewerb des Bundes einen vergleichbaren Rang wie beispielsweise "Jugend musiziert" oder "Jugend forscht" hat.
Von den 700 Produktionen die von 5500 MedienmacherInnen eingeschickt wurden, wurde der Beitrag des Iserlohner Kinder- und Jugendrates für das Bundesfestival-Video 2009 nominiert.
Zwei VertreterInnen der Iserlohner Filmcrew sind daraufhin von Donnerstag, 18. Juni bis Sonntag, 21. Juni 2009 in die Filmakademie Baden-Württemberg nach Ludwigsburg eingeladen worden und nutzten dort die Möglichkeiten, andere MedienmacherInnen kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und mit der Jury zu diskutieren. Durch das vielfältige Spektrum des Festivals hatten sie Gelegenheit, viele interessante Filme zu sehen und ihre Ansichten und Erfahrungen auszutauschen.








