Neujahrsempfang der Stadt Iserlohn am 14. Januar 2012

Am Samstag, 14. Januar, hatte Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens zum traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Iserlohn auf der Alexanderhöhe eingeladen. Über 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verbänden, Kirche und Verwaltung waren der Einladung gefolgt.
Der Neujahrsempfang bildete gleichzeitig den Auftakt zum Jubiläumsjahr 2012, in dem Iserlohn sein 775-jähriges Bestehen feiert. Die Veranstaltung fand daher dieses Mal im großen Haus des Parktheaters statt, wo Bürgermeister Dr. Ahrens als Ehrengast den Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Norbert Walter-Borjans begrüßen konnte, der - ebenso wie Landrat Thomas Gemke - ein Grußwort sprach. Musikalisch unterhalten wurden die Besucher vom Mittelstufen-Streichorchester der Musikschule Iserlohn unter der Leitung von Edyta Pietrasch-Szyszko. 
Zum Neujahrsempfang präsentierte die Stadt Iserlohn auch ihr Logo und das Motto zum Jubiläumsjahr: "775 Jahre Iserlohn - gemeinsam eine Stadt". Alle Gäste erhielten einen Jubiläums-Flyer mit einem Pin zum Anstecken.

Eine Bildergalerie zum Neujahrsempfang gibt es hier....

 

Rede des Bürgermeisters (es gilt das gesprochene Wort)

Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens
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Liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Iserlohn,
verehrte Gäste,

lassen Sie mich mit einem persönlichen Wort beginnen: Vor wenigen Wochen war ich mir gar nicht sicher, ob ich heute dazu in der Lage sein würde, Sie zum Neujahrsempfang 2012 zu begrüßen. Es ist alles gut gegangen, und dazu beigetragen haben auch die vielen guten Genesungswünsche, die ich erhalten habe. Dafür möchte ich mich gern bei dieser Gelegenheit sehr herzlich auch im Namen meiner Familie bedanken.

Ich freue mich, dass so viele Bürgerinnen und Bürger meiner Einladung heute gefolgt sind und auf diese Weise ihre Verbundenheit mit unserer Stadt zeigen. Ganz herzlich begrüße ich den Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Norbert Walter-Borjans, der aus dem Rheinland zu uns nach Südwestfalen gekommen ist, ebenso wie den Landrat des Märkischen Kreises, Thomas Gemke.

Ferner begrüße ich unsere Bundestagsabgeordnete, Dagmar Freitag, und unsere stellvertretenden Bürgermeister: den Landtagsabgeordneten Michael Scheffler sowie Thorsten Schick und Harald Eufinger.

Meine Bürgermeisterkollegen aus Menden, Hemer und Lüdenscheid: Volker Fleige, Michael Esken und Dieter Dzewas begrüße ich ebenfalls ganz herzlich. Schön, dass Sie hier sind.

Und natürlich grüße ich Sie, unsere Bürgerinnen und Bürger, die Mitglieder des Rates der Stadt, die Vertreter der Verwaltung, von Verbänden und Vereinen, Institutionen, Kirchen und Glaubensgemeinschaften, aus Industrie und Wirtschaft, aus Handel, Handwerk und Gewerbe, aus sozialen und kulturellen Einrichtungen.

Ihnen allen, Ihren Familien und allen Menschen, die Ihnen verbunden sind, wünschen meine Frau und ich ein gesundes, gutes, erfolgreiches, zufriedenes und friedliches Jahr 2012.

Ganz besonders danke ich dem Mittelstufen-Orchester der Musikschule der Stadt Iserlohn unter der Leitung von Frau Edyta Pietrasch-Szyszko, das den musikalischen Teil dieses Empfangs gestaltet und von dessen Können wir uns bereits gerade überzeugen konnten. Ich meine, dass unsere jungen Musikerinnen und Musiker im Alter von acht bis zwölf Jahren schon jetzt einen ganz herzlichen Applaus verdient haben.

Last but not least danke ich Theaterdirektor Johannes-Josef Jostmann und seinem Team und allen, die an der Vorbereitung und Organisation dieses Empfangs mitwirken. Der Privatbrauerei Iserlohn danke ich für die traditionelle flüssige Unterstützung beim anschließenden Empfang im Foyer.

Letzten Samstag beim Neujahrsempfang in Lüdenscheid wurde mir mehrfach bestätigt, dass das Iserlohner Pilsener schon besonders gut schmecke.

Liebe Gäste,

anders als sonst findet der eigentliche Empfang heute hier zum ersten Mal im Großen Haus des Parktheaters statt. Meine Frau und ich vermissen zwar die persönlichen Neujahrswünsche für jeden einzelnen von Ihnen, aber die können wir gleich im Foyer nachholen. Sie erleben also in gewisser Weise eine Art Premiere. Der Anlass für diese Premiere ist ein besonderer: Dieses Jahr ist für Iserlohn kein Jahr wie jedes andere, denn unsere Stadt feiert einen wichtigen Geburtstag: den - und er ist nicht einfach auszusprechen - siebenhundertfünfundsiebzigsten. Denn seit dem Jahr 1237 gibt es die Stadt Iserlohn.

Zugegeben: Hinter diese Aussage müssen wir ein kleines Fragezeichen setzen. Wir wissen ja, dass das Gründungsjahr 1237 nicht historisch gesichert ist. Bereits um das Jahr 1150 herum wird Iserlohn - recht sparsam - als "Lon" urkundlich erwähnt, doch erst 1278 wurden die Stadtrechte regelgerecht durch Graf Eberhard von der Mark bestätigt.

Nun haben wir darauf verzichtet, eigens eine Historische Kommission einzusetzen, um das Geburtsjahr unserer Stadt wissenschaftlich zu ergründen. Die Tatsache, dass vor 25 Jahren, also 1987, 750 Jahre Stadt Iserlohn gefeiert wurden, soll für uns Grund genug sein, in diesem Jahr das 775-jährige Bestehen angemessen zu feiern.

Jede Stadt hat ihre eigene, unverwechselbare Geschichte. Die Geschichte einer Stadt entwickelt sich ja nicht von selbst. Sie wird gemacht von den Menschen, die hier leben. Geschichte entsteht aus vielen kleinen und großen Geschichten, aus den Geschichten bekannter oder weniger bekannter Bürgerinnen und Bürger. Das ist der Grund dafür, warum jede Stadt ihr eigenes Gesicht hat und ihre ganz eigenen, unverwechselbaren Gesichtszüge. Für Iserlohn gilt das allemal.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich damit große Enttäuschung auslöse, werde ich heute darauf verzichten, 775 Jahre Iserlohn zu rekapitulieren. Aber ich möchte doch einiges zu dem Iserlohn sagen, wie es die meisten Menschen hier kennen. Das ist das jüngere Iserlohn seit 1975. Die "alte" Stadt Iserlohn wurde durch die kommunale Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen zum 1. Januar 1975 mit Letmathe, Hennen, Kalthof, Kesbern und Sümmern zur neuen Stadt Iserlohn vereinigt.
Ob hier im neuen Märkischen Kreis zusammenwächst, was zusammen gehört, das war damals stellenweise stark umstritten. Ich glaube aber - nein, ich bin fest davon überzeugt: Nach nunmehr fast 40 Jahren gemeinsamen Werden und Wachsens können wir sagen, dass diese Stadt tatsächlich zusammengewachsen ist. Das Gesicht unserer Stadt hat sich nicht nur durch dieses zweite Geburtsdatum 1975 geändert. Unsere Gegenwart heute wird entscheidend geprägt von dem, was hier in den vergangenen 37 Jahren an Neuem entstanden ist. Viel hat sich seitdem weiterentwickelt - vieles zum Guten in allen Stadtteilen und damit in der Gesamtstadt, aber manches ist auch noch nicht gelungen. Wir arbeiten weiter mit ganzer Kraft daran, dass wir zum 800-jährigen Jubiläum sagen können: Unsere Stadt Iserlohn steht noch ein Stück besser da als früher - nicht: früher war alles besser.

Ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, das sind elementare Voraussetzungen für eine lebendige, eine demokratische und menschliche Gesellschaft, ja, das sind die großen Voraussetzungen für eine lebenswerte Stadt.

Das ist mir persönlich auch für unser Iserlohn wichtig, und das will ich gemeinsam mit allen erreichen, die in Ämtern oder Funktionen Verantwortung für unsere Stadt tragen oder die Verantwortung für unser Iserlohn als Bürgerinnen und Bürger, als Iserlohnerinnen und Iserlohner empfinden. Ich komme gleich darauf zurück.

Verehrte Gäste,

wir wollen das Stadtjubiläum feiern mit vielen Aktivitäten, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Vereinen, Organisationen und Verbänden.

Es wird über das Jahr verteilt viele Veranstaltungen geben von Vereinen und Einrichtungen, von denen einige in diesem Jahr ebenfalls ein besonderes Jubiläum feiern wie

  • die Musikschule mit ihrem 50-jährigen Bestehen,
  • das Stadtmuseum und die Gesamtschule, die beide 25 Jahre alt werden und
  • die evangelische Kinder- und Jugendkantorei, die - immerhin - Ihren 10. Geburtstag feiert.

Wir werden auch zurück schauen bei den historischen Stadtführungen des Verkehrsvereins und den Ausstellungen und Angeboten unseres Stadtarchivs.

Die zentrale Jubiläumsfeier wird am 25. und 26. August hier auf der Alexanderhöhe in Verbindung mit dem Theater- und Familienfest stattfinden. Es soll ein Fest werden von Bürgern für Bürger getreu unserem Jahresmotto "775 Jahre Iserlohn - gemeinsam eine Stadt". Schon heute lade ich Sie alle ganz herzlich ein, dabei zu sein und mitzufeiern, wenn sich unsere Stadt in all ihren Facetten präsentiert.

Verehrte Gäste,

schauen wir kurz auf das Jahr 2011 zurück, ohne Sie mit statistischen Details quälen zu wollen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Aus der Vielfalt der Themen möchte ich einige herausgreifen und in Erinnerung rufen. Trotz der allgemein schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen ist es uns gelungen, - natürlich unter Inanspruchnahme von Fördermitteln wie z. B. denen aus dem Konjunkturpaket II - Danke an Peer Steinbrück - wegweisende Investitionen auf den Weg zu bringen.

Um nur einige zu nennen:

  • die 3-fach-Sporthalle und die Mensa am Hemberg-Schulzentrum,
  • den Bau der Feuerwache auf dem Gelände des ehemaligen Ostbahnhofs,
  • die bauliche Ergänzung der Letmather Realschule und die Mensaeinrichtungen am Gymnasium Letmathe und am Stenner-Gymnasium,
  • die Sanierung von Kinderspielplätzen,
  • die Verlagerung der Alexanderstraße und
  • verschiedene Kanalbaumaßnahmen, die natürlich nicht so ins Auge fallen, und das soll auch so sein.

Politik und Verwaltung setzen seit Jahren einen Schwerpunkt auf unsere Bildungseinrichtungen. So haben wir 2011 viel in unsere Kindertageseinrichtungen und Schulen, in Ganztagsbetrieb und Lehr- und Unterrichtsmittel investiert.
Gleichwohl bleibt die städtische Schulentwicklungsplanung angesichts der demographischen Entwicklung eine besondere Herausforderung für dieses Jahrzehnt.
Die Diskussion um eine zweite Gesamtschule, den möglichen Standort und die Erforschung des Elternwillens schlug bereits hohe Wellen, und sie ist noch lange nicht abgeschlossen.
Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir in dieser wichtigen Frage zu einem größtmöglichen Konsens über eine fachlich begründete, bezahlbare Schulentwicklung zugunsten unserer Kinder kommen.

Liebe Gäste,

städtisches Leben ist immer im Fluss. Manches bleibt, vieles ändert sich. "Alles bleibt anders", um mit Herbert Grönemeyer zu sprechen. Natürlich bleibt auch unsere Stadt nicht unberührt von demographischen Entwicklungen, von den vielfältigen Auswirkungen der Globalisierung, vom Wandel der Arbeitswelt oder des veränderten Freizeitverhaltens.

Wie Iserlohn in Zukunft aussehen soll - an dieser Aufgabe können und sollen sich alle Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Ihre Meinung, Ihre Vorstellungen, Ihre Ideen sind gefragt, denn es geht darum, dass Sie sich hier in Iserlohn wohl fühlen.

Dafür sind das Theater, die Bücherei, die Museen und die Musikschule, die Dechenhöhle ebenso wichtig wie Jugendeinrichtungen, Schulen und Sportanlagen aber auch Traditionen wie unsere Schützenvereine oder der Karneval in Hennen. Wir brauchen auch z. B. sportliche Highlights.
Das Zusammengehen des TuS Iserlohn und der Sportfreunde Oestrich berechtigt zu der Hoffnung, dass Iserlohn in absehbarer Zeit im Fußball eine dem Rollhockey, dem Basketball oder dem Eishockey vergleichbare Rolle spielen kann!

Was mit der Gründung des Städtenetzes zwischen den Städten Balve, Hemer, Iserlohn und Menden vor zehn Jahren begann, zeigt jetzt ein weiteres konkretes Ergebnis. Mit Beginn diesen Jahres haben die Städte Hemer und Iserlohn endlich die kommunalen Grenzen überschritten. Die problematische Entwicklung der kommunalen Finanzen zwingt Städte und Gemeinden zu solch einer verstärkten Zusammenarbeit.

Aber sie ist nicht nur eine Notwendigkeit, sie birgt auch Chancen. Gemeinsam können wir unsere Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger effizienter erbringen und auf weiterhin hohem Niveau sicherstellen.

Der Märkische Stadtbetrieb Iserlohn / Hemer wird in Zukunft genau jene Leistungen erbringen, die Sie bisher von den Iserlohner Stadtbetrieben gewohnt waren, z. B. die Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Grün- und Freiflächen, der Spielplätze, Sportplätze und Parkanlagen, die Unterhaltung und Instandsetzung der Verkehrsanlagen, die Straßenreinigung und den Winterdienst.

Das neue Unternehmen ist ein herausragendes Beispiel für die interkommunale Zusammenarbeit der Zukunft. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Schritt richtig war, auch wenn es im Moment noch hier und da zu lösende Probleme gibt.

"Gemeinsam - eine Stadt", das ist nicht nur ein Motto zum Jubiläumsjahr, das ist auch mein Wunsch für 2012 und die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Vielfalt ist dabei kein Gegensatz zu Gemeinsamkeit. Die Vielfalt der Interessen der Bürgerinnen und Bürger macht ja schließlich erst die Lebendigkeit einer Stadt aus. Die Vielfalt der Meinungen gehört zum Wesen der Demokratie. Diskussionen sind die Arena, in der sich Ansichten bewähren müssen. Bei allen Differenzen und Meinungsverschiedenheiten gilt es, seinem Gegenüber immer mit Respekt - auf Augenhöhe - zu begegnen. Dazu gehört, dass man sich ernsthaft mit den Ansichten des anderen auseinander setze, dass man versucht, die Sichtweise des Partners zu verstehen und seine Argumentation Ernst zu nehmen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen für das Jahr 2012 fruchtbare Diskussionen und darauf folgende gute Entscheidungen.

Liebe Gäste,

lassen Sie uns alles daran setzen, Iserlohn jeden Tag ein Stück mehr zu einer Stadt zu machen, in der alle Menschen gleich welcher Nationalität, Herkunft oder Religion friedlich und harmonisch zusammen leben. Gemeinsam, eine Stadt.

Es wird an uns selbst liegen, was wir aus diesem Jahr 2012 machen. Martin Luther King hat das so formuliert: "Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert." Also lassen wir uns gemeinsam unsere Probleme lösen.

In diesem Sinne wünsche ich unserer alten und zugleich jung gebliebenen Stadt Iserlohn und Ihnen allen und uns ein gutes Neues Jahr 2012.