Personenstandsregister als neue Bestände im Stadtarchiv

Eintrag im Geburtenregister Nr. 145/1898 für den jüdischen Mitbürger Erich Waldbaum.
Eintrag im Geburtenregister Nr. 145/1898 für den jüdischen Einwohner Erich Waldbaum. Im Randvermerk ist der für Juden seit 1938 gesetzlich vorgeschriebene zweite Vorname “Israel” eingetragen. Darunter ist der Aufhebungsvermerk aus dem Jahr 1946 eingestempelt.

Mit der Änderung des Personenstandsgesetzes zum 1. Januar 2009 erhielt das Stadtarchiv eine weitere aufschlussreiche Quelle zur Familien- und Personengeschichte.

Nachdem lange Zeit die Kirchengemeinden ausschließlich die kirchlichen Amtshandlungen (Geburten/Taufen, Heiraten, Sterbefälle/Beerdigungen sowie Konfirmationen bzw. Kommunion/Firmung) dokumentiert hatten, wurde am 9. März 1874 in Preußen das "Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung" erlassen, das in § 1 regelte: "Die Beurkundung der Geburten, Heirathen und Sterbefälle erfolgt ausschließlich durch die vom Staate bestellten Standesbeamten mittelst Eintragung in die dazu bestimmten Register".

Beginnend mit dem 1. Oktober 1874 wurden in ganz Preußen Standesämter eingerichtet. Am 1. Januar 1876 wurden einheitlich im gesamten Deutschen Reich Standesämter für die Führung der Personenstandsregister eingeführt. Ursprünglich waren die Bürgermeister der Kommunalgemeinden dazu verpflichtet, die Geschäfte des Standesbeamten wahrzunehmen, sie konnten die Führung der Personenstandsregister aber auch einem Beigeordneten übertragen oder die Anstellung eines besonderen Standesbeamten beschließen.

Bis zum in Kraft treten des neuen Personenstandsgesetzes zum 1. Januar 2009 waren die standesamtlichen Register nicht für die allgemeine Benutzung zugänglich. Nach den Bestimmungen des Gesetzes erhält das zuständige Kommunalarchiv nun vom Standesamt die nicht mehr fortschreibungspflichtigen Geburts-, Heirats- und Sterberegister samt der dazu gehörigen Sammel- bzw. Beiakten. Abgegeben werden die Geburtsregister 110 Jahre nach Schließung, die Heiratsregister 80 Jahre nach Schließung und die Sterberegister 30 Jahre nach Schließung.

Im Stadtarchiv Iserlohn stehen zurzeit die Geburtsregister bis einschließlich 1900, die Heiratsregister bis einschließlich 1930 und die Sterberegister bis einschließlich 1980 aller Standesämter im heutigen Stadtgebiet zur Benutzung zur Verfügung. Der Bestand wird jedes Jahr um einen Jahrgang erweitert.

Die Register können unter Beachtung der Benutzungsordnung des Stadtarchivs zur Einsichtnahme im Benutzerraum vorgelegt werden. Sofern es der Erhaltungszustand der Bände zulässt, können gegen Gebührenerstattung Kopien gefertigt werden. Das Stadtarchiv kann aus den nicht fortschreibungspflichtigen Registern keine "Urkunden" ausstellen, sondern nur beglaubigte Kopien anfertigen.

Die Register folgender Standesämter stehen für Recherchezwecke zur Verfügung:

Standesamt Calle
01.06.1922 - 31.10.1929

(Hinweis: bis 31.05.1922 Standesamt Hemer; 01.11.1929 Umbenennung in Standesamt Griesenbrauck)

Standesamt Griesenbrauck
01.11.1929 - 31.10.1970
(Hinweis: bis 31.10.1929 Standesamt Calle, ab 01.11.1970 Standesamt Iserlohn I)

Standesamt Grüne
01.01.1941 - 31.12.1941
(Hinweis: bis 31.12.1940 Standesamt Oestrich, ab 01.01.1942 Standesamt Letmathe)

Standesamt Hennen
01.07.1875 - 31.12.1974
(Hinweis: bis 30.06.1875 Standesamt Ergste, ab 01.01.1975 Standesamt Iserlohn I; für die Zeit vom 01.10.1874 bis 30.06.1875 sind Abschriften vorhanden)

Standesamt Iserlohn
01.10.1874 - 31.12.1980
(Hinweis: 01.01.1975 - 31.12.2010 Standesamt Iserlohn I; seit 01.01.2011 Standesamt Iserlohn)

Standesamt Iserlohn II
01.01.1975 - 31.12.1980
(Hinweis: bis 31.12.1974 Standesamt Letmathe; seit 01.01.2011 Standesamt Iserlohn)

Standesamt Letmathe
01.02.1876 - 31.12.1974

(Hinweis: bis 31.01.1876 Standesamt Limburg; 01.01.1975 Umbenennung in Standesamt Iserlohn II; für die Zeit vom 01.10.1874 bis 31.01.1876 sind Abschriften vorhanden)

Standesamt Lössel
01.01.1877 - 31.12.1940
(Hinweis: bis 31.12.1876 Standesamt Hemer; ab 01.01.1941 Standesamt Letmathe)

Standesamt Oestrich
01.02.1876 - 31.12.1940

(Hinweis: bis 31.01.1876 Standesamt Limburg; ab 01.01.1941 Standesamt Grüne; für die Zeit vom 01.10.1874 bis 31.1.1876 sind Abschriften vorhanden)

Die Register der Standesämter Ergste, Hemer und Limburg befinden sich in anderen Kommunalarchiven:
Standesamt Ergste                   Stadtarchiv Schwerte
Standesamt Hemer                  Stadtarchiv Hemer
Standesamt Limburg                Historisches Centrum Hagen - Stadtarchiv

Iserlohner Kreisblatt vom 19.9.1874
Iserlohner Kreisblatt vom 19.9.1874

Aus der Geschichte des Standesamtes Iserlohn

In Iserlohn wurde das Standesamt 1874 im Rathaus am heutigen Alten Rathausplatz eingerichtet. Die erste Ziviltrauung wurde am 15. Oktober 1874 durch Bürgermeister Hülsmann im Rathaus durchgeführt. Der erste hauptamtliche Standesbeamte in Iserlohn war Gustav Sassenhoff (gestorben am 4. März 1890 Iserlohn).

Zwischen 1888 und 1896 wurde das Standesamt in das Haus Altstadt 11 ausgelagert, im April 1896 fand es ein neues Domizil in der Bohnenstraße 4 im Wohnhaus des Metzgermeisters Jüngst. Vor 1902 zog der Standesbeamte dann wieder ins Rathaus, vor 1912 erfolgte der Umzug in das ehemalige Landwehrzeughaus in der Altstadt, das heutige Stadtmuseum am Fritz-Kühn-Platz 1. Um 1925 war das Standesamt kurzfristig wieder im Rathaus untergebracht, danach wieder im heutigen Stadtmuseum. Ab 1936/37 war das Standesamt in der Feuerwache, Luisenstraße 13, in der Nähe des Schillerplatzes untergebracht, bevor es vor 1950 zusammen mit dem Gesundheitsamt zum Haus Stennerstraße 3 wechselte. Ab Januar 1957 zog das Standesamt in die Stennerstraße 12, die ehemalige Weydekampsche Villa.

Von 1975 bis 2010 befand sich das Standesamt Iserlohn I im Rathaus am Schillerplatz. 2010 erfolgte der Umzug in die Villa Basse in der Stennerstraße 3, die ehemalige VHS-Geschäftsstelle. Seit dem 1. Januar 2011 ist das Standesamt Iserlohn das einzige Standesamt in Iserlohn.

 

Weitere personengeschichtliche Unterlagen im Stadtarchiv

Außer den Personenstandsregistern der Standesämter gibt es im Stadtarchiv Iserlohn weitere personengeschichtliche Quellen. Dazu zählen u. a. Steuerlisten, Einwohnerlisten, Militärstammrollen und das Personenregister von 1818 (Stadtarchiv Iserlohn, Bestand Am Nr. 2).

Das von 1670 bis 1809 geführte Bürgerbuch (Stadtarchiv Iserlohn, Bestand Am Nr. 5) ist abgedruckt in: Wilhelm Schulte, Iserlohn. Die Geschichte einer Stadt, Bd. II: Iserlohner Urkundenbuch. Iserlohn 1938, S. 418-470.

Das erste gedruckte Einwohner-Adressbuch erschien in Iserlohn im Jahr 1866. Die zwischen 1866 und 1950 gedruckt vorliegenden Adressbücher stehen als Digitalisate für Recherchen im Internet zur Verfügung (Online-Recherche).

Eine Einwohner-Meldekartei wurde mit der Einführung des Meldewesens angelegt, in Iserlohn war der Stichtag der 1. Dezember 1880. Die von 1880 bis 1982 geführten Meldekarteien liegen als Mikrofilme im Stadtarchiv vor. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können Recherchen nur vom Archivpersonal vorgenommen werden.

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8.00 - 12.00 Uhr und 13.00 - 16.00 Uhr
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(Terminabsprache erbeten)

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