Pressemitteilung der Stadt Iserlohn

Grüne Oase mitten in der Stadt: Neues Klima- und Umweltprojekt des Kinder- und Jugendrates

Der Iserlohner Kinder- und Jugendrat (KiJuRat) engagiert sich seit Jahren für den Umwelt- und Naturschutz und betrachtet die Klimakrise als eine der größten  Herausforderungen der Gegenwart. Seit 2014 engagiert sich der KiJuRat für den Insektenschutz und seit ihrer ersten „Bienen-Demo“ im Jahr 2016 haben die Jugendlichen immer wieder Informations- und Pflanzaktionen durchgeführt:

Für Imran Topouz ist das Thema eine Herzensangelegenheit. Als Gruppenleiter und ehemaliges Kinder- und Jugendratsmitglied hatte er gemeinsam mit Kindern im Rahmen der Osterferienspiele des Kinder- und Jugendbüros 2019 eine Trockenmauer als Rückzugsort für Wildbienen und andere Insekten an der Brüderstraße/Ecke Aloysiusstraße errichtet.
Seit Jahren engagiert sich auch Nancy Schmidt für den Umwelt- und Naturschutz. Begeistert hat sie die Zertifizierung des Gebäudes Brüderstraße 20, in dem sich das Kinder- und Jugendbüro befindet, als „Fledermausfreundliches Haus“ begleitet.
Im Rahmen der Sommerferienspiele 2020 wurde mit Kindern ein großes Bienenhotel errichtet und auf der Fläche an der Brüderstraße installiert. Frieda Romahn, die sich seit 2020 im KiJuRat engagiert, erläutert: „Es ist wichtig, dass wir Kinder schon frühzeitig für den Umwelt- und Naturschutz sensibilisieren“.

In diesem Frühjahr starteten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Natur & Umwelt nun ein weiteres Projekt: In Kooperation mit dem städtischen Kinder- und Jugendbüro und gemeinsam mit dem Märkischen Stadtbetrieb Iserlohn Hemer (SIH) begannen sie am Montag (29. März) mit dem Bau einer grünen Oase mitten in der Stadt im Bereich Brüderstraße/Ecke Aloysiusstraße. Dort werden sie auf einer Fläche von rund 150 Quadratmetern bienenfreundlichen Samen aussäen.

Ein weiteres Vorhaben auf ihrer To do-Liste ist die Vorbereitung einer Fläche an der nahe gelegenen Treppenanlage zum Radweg an der ehemaligen Bahntrasse. Dort soll in den Sommerferien ein „Urban Gardening“-Projekt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kids & Kunst“ umgesetzt werden. Es soll eine Kräuterspirale entstehen, eine Trockenmauer angelegt und mit Totholz Lebensräume für Insekten, Amphibien, Reptilien, Spinnen, aber auch Vögel, Fledermäuse, Igel, Haselmäuse und andere Tiere geschaffen werden. Damit dies gelingen kann, trafen sich die Jugendlichen an ihrem ersten Ferientag an der Brüderstraße und starteten die Vorarbeiten.

Gärtnermeister und Gartenbautechniker Eckehardt Schröder und Peter Ganseforth vom SIH zeigten den jungen Aktivisten, wie sie vier Apfelbäume vor dem Auspflanzen so beschneiden können, damit diese gut gedeihen. Gemeinsam überlegten sie anhand des von Ayman Ryari erarbeiteten Pflanzplans, welcher Standort auf der rund hundert Quadratmeter großen Fläche für Himbeeren, Erdbeeren und Kräutern besonders geeignet ist. Unter fachlicher Anleitung wurden Pflanzlöcher ausgehoben, Kräuterpflanzen umgesetzt und Altes zurückgeschnitten. Beim Reinigen der bestehenden Pflanzfläche, die auch schon im letzten Jahr als Bienenfutterweide angelegt war, zeigte sich nicht nur Nancy Schmidt erstaunt darüber, welche für Insekten wichtigen Pflanzen im Boden überlebt haben und darauf warten, von der Frühlingssonne geweckt zu werden. Streuobst-Pädagoge Friedrich Wilhelm Koch, der auch regelmäßig für das Kinder- und Jugendbüro tätig ist, wachte mit seinem unglaublichen Wissen darüber, dass diese Bienenfutterpflanzen auf keinen Fall dem Frühjahrsputz zum Opfer fallen.

Zur Vorbereitung ihres neuen Umweltprojektes hatten sich die KiJuRats-Mitglieder vor der Aktion mit Eckehardt Schröder online „getroffen“, um die anstehenden Arbeiten abzustimmen. Zu einem weiteren Zoom-Seminar hatten sie Lea Schnippering von der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Iserlohn eingeladen. Nachdem das bereits für November 2020 geplante Seminar coronabedingt ausfallen musste, freuten sich die Jugendlichen sehr, jetzt mit Lea Schnippering zum Thema „Klimawandel-Klimaanpassung“ ins Gespräch zu kommen. Anhand einer Präsentation erläuterte sie ihnen den Treibhauseffekt und den Klimawandel sowie deren Auswirkung auf die Erde und auf Iserlohn. Auch in Iserlohn gab es in der Vergangenheit bereits Überschwemmungen und beeindruckende Stürme. Der Wald leidet unter Trockenstress und Borkenkäfern und erste Eichenprozessionsspinner wurden im letzten Jahr entdeckt. Beunruhigend sind darüber hinaus die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt.
„Die Folgen des Klimawandels können nicht komplett aufgehalten werden. Sicherlich ist es wichtig, sich weiter für Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Sie müssen höchste Priorität bekommen und die Politik muss die nötigen Rahmenbedingungen dafür setzen, durch eine grundlegende Veränderung der Energie-, Verkehrs- und Landnutzungspolitik“, sind sich die KiJuRats-Mitglieder einig.
Dennoch muss auch jetzt schon etwas zum Schutze der Menschen und  Tiere getan werden und „Grün“ in den Städten ist eine der Schüsselmaßnahmen zur Klimaanpassung, berichtet  Madeleine Wohlfromm.
„Grün“ sorgt für Sauerstoffproduktion und Verdunstung, Erhöhung der Luftfeuchtigkeit, sorgt für Kühlung und Verschattung in den Städten, auf wasserdurchlässigem Boden kann Niederschlagswasser versickern und grüne Oasen bieten Lebens- und Nahrungsraum für viele Tiere. Nach dem Zoom-Meeting waren sich die Teilnehmenden einig, dass dieses Thema sicher für viele Schüler und Schülerinnen interessant ist und so stellten sie mit Lea Schnippering bereits Überlegungen für weitere gemeinsame Aktionen und Projekte an.

„Natürlich bewerben wir uns mit unserer Aktion auch beim Wettbewerb „Deutschland summt!“ der Stiftung Mensch und Umwelt“, sagt Fatima Tahrioui und Amy Lee Grieger ergänzt: „Hoffentlich werden wir dann auch zur corona-tauglichen Prämierungsfeier nach Berlin eingeladen.“

Grüne Oase
Bevor der Bau der grünen Oase im Bereich Brüderstraße/Ecke Aloysiusstraße starten konnte, besprachen die KiJuRats-Mitglieder gemeinsam mit dem städtischen Kinder- und Jugendbüro und Mitarbeitern des SIH die einzelnen Arbeitsschritte.
Grüne Oase
Frieda und Madeleine (v.l.) vom KiJuRat packten gemeinsam mit neun weiteren Aktivisten kräftig mit an, um die Fläche für die grüne Oase herzurichten.