Stadtmuseum Iserlohn

Objekt-Archiv

Objekt der Woche (07.05.-13.05.2020)

Barttasse

Die Barttasse

Zum letzten Mal präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle ein Objekt der Woche - denn die Museen dürfen wieder öffnen. Jedoch haben wir noch viele spannende Objekte in unserem Depot, über die es sich zu erzählen lohnt. Daher wird die Reihe als "Objekt des Monats" fortgeführt. Das letzte Objekt der Woche ist ein Objekt aus dem Museum Haus Letmathe.


Eine Barttasse ist - wie der Name verrät - ein Trinkgefäß für Männer mit Bart.  
Barttassen sind an der Stelle, an der ein Mund zum Trinken ansetzt, mit einem waagerechten Steg ausgestattet, welcher die Flüssigkeit beim Trinken so lenkt, dass die sogenannte Bartwichse, welche im 19. Jahrhundert zur Modellierung von Bärten und Schnäuzern verwendet wurde, vor der Nässe geschützt wird.

Die erste bekannte Barttasse, damals "Moustache Cup" genannt, geht zurück auf den damals gerade 25 Jahre alten englischen Töpfer Harvey Adams aus Longton, Großbritannien, der im Jahr 1860 diese skurrile Erfindung machte. Seine Porzellanfabrik hatte mit dieser Innovation so großen Erfolg, dass zahlreiche Töpfereien weltweit diese Barttassen nach seinem Vorbild herstellten. Von 1860 bis ca. 1920 wurden sie vertrieben und im englischen, französischen, deutschen und nordamerikanischen Kulturraum gerne genutzt. Erst als sich die Bartmode nach dem Ersten Weltkrieg wieder änderte, verschwand auch der Bedarf an bartschonenden Tassen.

Barttassen waren zumeist Luxusgegenstände, die über den üblichen Bedarf eines Mannes hinausgingen. Sie wurden, in der Regel, aus Porzellan von renommierten Herstellern u. a. aus Derby, Meißen, Limoges oder Imari produziert und teilweise vergoldet. Heute sind diese Tassen begehrte Sammlerstücke.

Objekt der Woche (30.04.-06.05.2020)

Der erste Fernseher Iserlohns von 1953

Das Medienzeitalter des Fernsehens begann in Iserlohn am 20. Januar 1953. Die Westfälische Rundschau kündigte an, dass Heinrich Wiesinger, Inhaber des "Spiegelsalons" im Schützenhof 8, in seiner Gastwirtschaft einen ersten privaten Fernsehapparat installiert habe, zur Freude der Bevölkerung. Das benachbarte Radiogeschäft von Alfred Fitzke, Schützenhof 4, hatte das wertvolle Stück geliefert und installiert. Einige Tage zuvor war bereits bei Kriependorf & Wedel, dem anderen bekannten Iserlohner Radiogeschäft, ein Fernseher im Schaufenster installiert worden. Dieses "Ferntonkino" zog große Trauben von Schaulustigen an, die auf dem Trottoir vor dem Laden bei Wind und Regen aushielten, um dem Programm zu folgen. Immerhin war man damit in Iserlohn technisch in vorderster Reihe, denn 1952 gab es bundesweit lediglich 300 registrierte Fernsehteilnehmer. 1955 waren es bereits 100.000 und 1957 überschritt die Anzahl die Millionengrenze.

Die im Spiegelsalon aufgestellte hölzerne "Philips-Projektionstruhe" hatte eine Höhe von 102 cm, eine Breite von 78,5 cm und eine Tiefe von 48,5 cm. Die stark gerundete und gewölbte Bildröhre wies die bescheidenen Maße von 45 x 34 cm auf. An vier Drehreglern mit Doppelfunktion und einem Schieberegler konnten Sender und Ton mittels eines Testbildes optimal eingestellt werden. Zwischen den Programmen umzuschalten war, vor dem Apparat kniend, immer mit größerem Aufwand verbunden - aber es gab ja anfangs auch nur einen, später drei öffentlich-rechtliche Sender. Ab 20 Uhr war die geneigte Besucherschar eingeladen, vor der Röhre Platz zu nehmen und dem Programm zu folgen.
"Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Kind vor der Fernsehkiste versammelt sind." So formuliert die Westfälische Rundschau 1953 in Anspielung auf das Gedicht "Das Gewitter" von Gustav Schwab ("Urahne, Großmutter, Mutter und Kind, in dumpfer Stube beisammen sind ...").

Die Fußballweltmeisterschaft von 1954, bei der Deutschland erstmals Weltmeister wurde, gab der Verbreitung der damals noch sehr großen, teuren und anfälligen Geräte einen gewaltigen Aufschub. Weit vor der Erfindung des Public Viewing standen Trauben von Menschen vor den Bildschirmen in Gaststätten und Wohnungen und bejubelten die Tore ihrer Helden. Heute ist das Fernsehen zum Taschenformat geworden: Per App und Mediathek lässt sich das Programm jederzeit auf dem Smartphone ansehen. Das sperrige Röhrengerät ist museal geworden - und steht daher seit einigen Jahren im Obergeschoss des Stadtmuseums.

Objekt der Woche (23.04.-29.04.2020)

Chinesische Schablone

Die weltweite Corona-Pandemie dieser Tage ist auch ein Resultat der dichten wirtschaftlichen Verflechtung unterschiedlicher Länder und Regionen. Zum Schutz der Bevölkerung liegt diese Wirtschaft nun überall lahm, Liefer- und Produktionsketten sind unterbrochen. Die Anfälligkeit unserer modernen, globalisierten Welt wird erstmals augenscheinlich und gilt als neues Phänomen im Seuchenschutz. Wirtschaftliche Verflechtungen sind aber keine Erfindung der Neuzeit: Bereits die Pest im Mittelalter wurde über Handelsrouten und Schiffe aus Asien nach Europa eingeschleppt - in der Folge brach auch das mittelalterliche Wirtschaftsleben fast vollständig zusammen. Selbst der intensive Handel mit China ist keine Entwicklung der jüngeren Jahre, wie das Objekt dieser Woche belegt.

Die chinesische Schrifttafel, ausgestellt im Nadelmuseum in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf, war ein wichtiges Hilfsmittel im Handel der Iserlohner Nähnadelfabrikation mit dem Reich der Mitte. Die Zeichen sind eine Lieferanschrift und die Tafel diente als Schablone, um die Verpackungen bereits in Iserlohn richtig beschriften zu können. Ziel der Lieferung war die Stadt Hankou - heute ein Teil der mittlerweile weltberühmten chinesischen Stadt Wuhan. Unter Kaiser Xiangfeng (1831-1861) öffnete sich das Land für den Handel mit Europa und den USA, in Hankou entstanden 1861 Dependancen europäischer Handelshäuser. Diese organisierten die Einfuhr von Industrieprodukten, Metallen und Schafswolle nach China und den Verkauf in den dortigen Provinzen. Über die Handelshäuser exportierte China im Gegenzug Tee, Tabak, Zucker, Papier, Porzellan und Bambusmatten nach Europa und Amerika.

Unter den Industrieprodukten waren auch Nähnadeln, deren großer Bedarf in China aus England und eben Iserlohn gedeckt wurde. Problematisch war, dass die Nadeln in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht aus rostfreiem Stahl produziert werden konnten und im feuchten chinesischen Klima schnell korrodierten. Auch auf dem langen Transport per Schiff, ab 1869 in kürzerer Route durch den Suezkanal, konnten die Lieferungen leicht beschädigt werden. Im Geheimen Preußischen Staatsarchiv liegen Akten aus den Jahren 1884, 1888 und 1892 mit Klagen der Handelspartner bzw. des Deutschen Konsulats in Tianjin über die Lieferung rostiger Nähnadeln aus Iserlohn und die „anhaltend schlechte Verpackung“. Am 12. Januar 1886 ging ein Schiff auf dem Weg nach Hankou, die Feronia, im Sturm in der Nordsee unter. Geladen waren unter anderem etwa hundert Millionen Nadeln aus Iserlohn, die in Iserlohn in wenigen Wochen nachproduziert werden mussten.

Die Handelshäuser in der Region Wuhan blieben ununterbrochen bis 1930 geöffnet. Dann setzten der Chinesische Bürgerkrieg und die kommunistische Besetzung der Stadt den Handelsbeziehungen vorerst ein Ende.

Objekt der Woche (16.04.-23.04.2020)

Flohfalle

Wie wichtig eine gute Hygiene für die Abwehr von ansteckenden Krankheiten ist, erfahren wir dieser Tage wieder sehr deutlich. Selbst heute können wir die Übertragungswege von Viren nicht bis ins Detail nachvollziehen. Umso hilfloser standen die Menschen den Krankheiten im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit gegenüber. Die Mittel gegen Seuchen waren häufig von Aberglauben geprägt, aber so manches Produkt half tatsächlich der Körperhygiene.

Im Besitz des Stadtmuseums Iserlohn befindet sich so ein Hygiene-Produkt aus dem späten 18. Jahrhundert, das gleichzeitig ein Luxusgut und ein modisches Accessoire war: Eine aus Wurzelholz gedrechselte Flohfalle. Das eiförmige Objekt wurde vom Barock bis zum Biedermeier (ca. 1600 bis 1850) benutzt, um sich vor lästigem Ungeziefer zu schützen. Dabei war der Schutz vor ansteckenden Krankheiten nicht die eigentliche Intention: Flohbisse waren lästig, juckten und hinterließen hässliche Flecken. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts konnte nachgewiesen werden, dass Flöhe gefährliche Krankheiten wie Streptokokken, das Fleckfieber oder sogar die Pest übertragen.

In der Frühen Neuzeit waren in den obersten Gesellschaftsschichten ausladende Kleider, Perücken und der intensive Konsum von Parfüm modern, daher wurden die reichen Damen und Herren immer wieder von Flöhen geplagt. Die Flohfalle, kunstvoll in die Frisur eingewoben oder neckisch im Dekolleté versteckt, schützte vor Bissen. Das hölzerne Ei lässt sich in der Mitte aufschrauben und befüllen. Entweder nahm man dafür Honig, an dem die angelockten Flöhe kleben blieben oder in Tierblut getränkte Watte. Bei dieser Vorgehensweise saugten sich die Flöhe mit dem Tierblut voll und waren anschließend zu groß, um die Falle wieder zu verlassen. Auch Läuse und Wanzen wurden auf diese Art mit den Floheiern gefangen.

Das Objekt wurde dem Museum 1990 als sogenanntes "Fadenei" zum Kauf angeboten. Fadeneier wurden im 19. Jahrhundert in der Nadelherstellung verwendet. Der später maschinell zu Nadeln verarbeitete Draht wurde durch ein mit Wachs gefülltes Ei gezogen, wodurch der "Faden" mehr Festigkeit erlangte. Aufgrund des Materials und der feinen Drechsel-Arbeiten des Objekts kann es sich dabei nicht um ein Hilfsmittel der industriellen Fertigung handeln. Stattdessen ist davon auszugehen, dass das Ei als Flohfalle um 1800 gefertigt wurde und im Besitz einer wohlhabenden Familie war.

Objekt der Woche (09.04.-16.04.2020)

Das Bild zeigt versteinerte Dinosaurier-Eier

Das Dinosaurier-Ei

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Blickt man in der Geschichte der Erde weit bis vor die Zeit der ersten Menschen zurück, ist die Frage leicht zu beantworten: Zuerst waren die Dinosaurier-Eier da! Millionen Jahre bevor die erste Henne gackerte, schlüpften bereits Dinosaurier aus Eiern, denn die Reptilien und unsere heutigen Vögel haben gemeinsame Vorfahren. Doch obwohl Dinosaurier zu den größten Erdenbewohnern zählten, waren ihre Eier kaum größer als ein Straußen-Ei.

Das Stadtmuseum Iserlohn zeigt in seiner urgeschichtlichen Sammlung insgesamt 23 Dinosaurier-Eier in unterschiedlichen Formen und Größen: kleine, große, runde und längliche. Aus großen länglichen Eiern schlüpften fleischfressende Raubsaurier, deren bekanntester Vertreter der T-Rex ist. Das Gelege mit den abgebildeten runden Eiern stammt von einem Therizinosaurus, einer vegetarisch lebenden Art der Dinosaurier. Er lebte während der frühen Oberkreidezeit im Gebiet der heutigen Mongolei vor ca. 100 Millionen Jahren. Er wurde wahrscheinlich bis zu acht Meter groß und lief aufrecht. Durch den Iserlohner Kartografen und Ur- und Frühgeschichtler Dr. Wolfgang Pohl kam der wertvolle archäologische Fund im Jahr 2012 in das Stadtmuseum Iserlohn.