Die jüdische Gemeinde in Iserlohn

1235 wird erstmals ein Jude in Iserlohn erwähnt: Samuel de Iserlo. Er war im Geldhandel tätig und wird mit der neu eingerichteten und für die Stadt sehr wichtigen Iserlohner Münzstätte in Verbindung gebracht.

Während des Mittelalters sind keine am Ort wohnenden Juden erwähnt, was ihre Existenz jedoch nicht ausschließt. Erst 1680 ist mit Nathan Salomon wieder ein jüdischer Bewohner Iserlohns namentlich genannt. Seit 1815 existierte eine Gemeinde am Ort mit 15 männlichen, erwachsenen Mitgliedern. Sie wuchs bis 1865 auf über 180 Mitglieder an.

Die Iserlohner Juden lebten anfangs weitgehend vom Kleinhandel, vom Hausieren und Schlachten und gehörten zur städtischen Unterschicht. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts gelang etlichen der Aufstieg in die Mittel- und Oberschicht. Einige Geschäfte in der Wermingser Straße gehörten ihnen. Sie entwickelten sich zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft und gehörten mit zu den Trägern des kulturellen Lebens der Stadt.

Die schulische und religiöse Erziehung der jüdischen Kinder in Iserlohn blieb früher weitgehend kleinen jüdischen Schulen vorbehalten, den sogenannten Winkelschulen, also kleinen Einklassenschulen, die oft keine weiterführende Ausbildung möglich machten. Erst im 19. Jahrhundert konnten jüdische Schüler auch evangelische Schulen besuchen - gegen Zahlung eines erhöhten Schulgeldes.

Synagogen in Iserlohn

Die von 1825 bis 1829 errichtete Synagoge (vgl. Bild) war bereits die zweite an der gleichen Stelle: Sie stand auf einem Gartengrundstück im Inneren des Straßengevierts zwischen Vincke- und Mendener Straße. Wie alle Synagogen war der kleine, schlichte, klassizistische Bau in Richtung Jerusalem ausgerichtet, d. h. der Altar war nach Südosten orientiert.

In der Reichspogromnacht wurde die Synagoge in Brand gesteckt (vgl. Zeitungsausschnitt des IKZ vom 10.11.38). Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Heute erinnert eine kleine Gedenktafel in der Wermingser Straße an den ehemaligen Standort der Synagoge.

1843 wurde in Hennen, auf dem Beil, eine kleine Synagoge gebaut, die bis 1902 existierte.

Friedhöfe

Die Iserlohner Juden besaßen zunächst keinen eigenen Friedhof. Sie mussten ihre Toten auf einem Abraumplatz im Norden der Stadt, in der Nähe des Dicken Turmes, beerdigen. 1743, anlässlich des Neubaus von Dietrich Löbbecke an dieser Stelle, legten sie einen neuen Friedhof am Dördel an. Nach den Zerstörungen des Dritten Reiches wurde dieser Friedhof wieder hergerichtet.
In Oestrich und Hennen sind bereits im 18. Jahrhundert jüdische Gemeinden und Friedhöfe erwähnt.

Deportation

Bis 1942 wurden zahlreiche jüdische Familien erst in das Haus Kluse 18 eingewiesen, später dann per Bahn in verschiedene Arbeitslager und KZ deportiert. Damit endete die Existenz der jüdischen Gemeinde in Iserlohn.

Carl-Heinz Kipper

Der in Iserlohn geborene, christlich getaufte "Charly" Kipper erfährt von seiner Mutter erst spät, dass er Jude ist. Ausgrenzung, Verfolgung und Zerstörung erfährt er überdeutlich durch die Deportation seiner Mutter. Doch es gibt auch Menschen mit Zivilcourage: Eine fromme katholische Witwe nimmt ihn bei sich auf und wird zu einer zweiten Mutter. Im September 1944 wird Carl-Heinz Kipper verhaftet und in ein Arbeitslager bei Fulda deportiert, 1945 von den Amerikanern daraus befreit. Er kehrt nach Iserlohn zurück.
Von 2000 bis 2013 erzählte Carl-Heinz Kipper seine Erlebnisse und Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus vor 173 Schulklassen. Er starb 2014. Sein Leben wurde verfilmt.

Historische Erkundung

Jugendamt, Stadtbücherei, Stadtarchiv und Stadtmuseum Iserlohn gestalten gemeinsam die sog. Historische Erkundung. Dabei werden Schüler mit Quellen und Materialien zur Ausgrenzung von Randgruppen und Ausländerfeindlichkeit im Dritten Reich vertraut gemacht um diesem Phänomen in Zukunft besser vorzubeugen.

(Quelle: Iserlohn-Lexikon, Iserlohn 1987)

Synagoge in der Mendener Straße
Innenraum der Synagoge
Jüdische Winkelschule in der Kluse
Zeitungsartikel aus dem IKZ vom 10.09.1938 zum Brand der Synagoge
Denkmal in der Wermingserstraße