Das Bild zeigt das Logo der aktuellen Spielzeit des Parktheaters

Wie seit vielen Jahren geht es auch in dieser Spielzeit um das vielschichtige Gefühlsfeld von Jugendlichen und den beständigen Wunsch nach Anerkennung. Der Theaterbesuch soll deshalb einen Perspektivwechsel ermöglichen, um die jungen Erwachsenen Erfahrungen sammeln zu lassen, sie zum Nachdenken und Nachfühlen einzuladen und am Ende in der realen Welt zu mehr Engagement anzuregen.

Einen besonders schönen Bogen zum Anspruch der Reihe „Echt krass! Theater 4 You“ spannt das Stück „All das Schöne“ (11. Oktober 2019) vom Rheinischen Landestheater. Es ist ein lebensbejahender Monolog, eine Über-Lebenserklärung in Form einer Liste, die alles Schöne dieser Welt beschreibt. Zusammen sind es 999998 Gründe das Leben nicht wegzuschmeißen, verbunden mit der Botschaft „Es lohnt sich zu leben!“.

Insgesamt lebt das Jugendtheater-Angebot von der große Brandbreite diverser aktueller Themen, die mit der ganzen Vielfalt von theatralischen Mitteln und vor allem ohne gehobenen moralischen Zeigefinger umgesetzt werden. Um einen entsprechenden Nachklang zu erzielen, schließen sich in der Regel Diskussionen mit den Schauspielern, Regisseuren und Dramaturgen an, zudem steht meist theaterpädagogisches Material für die Lehrer zur Verfügung. Bei zwei Stücken („Verräter“ und „Paradies“) gibt es jeweils 90-minütige Vor- und Nachbereitungen durch Theaterpädagogen in der Schule; die Termine werden im Vorfeld abgestimmt.

Die Reihe startet am 27. September 2019 mit dem Paukenschlag „Good morning, boys and girls“ nach der Vorlage der mit dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln ausgezeichneten Autorin Julie Zeh. Das Stück über einen geplanten Amoklauf an einer Schule ist ein vielschichtiges, komplexes Drama, das zu guten Teilen im Kopfkino des jungen Jens stattfindet. Jens ist eine tickende Bombe, eindringlich bricht das Stück seine Gefühlswelt auf. Die Presse schreibt: „Eine Inszenierung von dramaturgischer Dichte und großer Intensität, auch sprachlich nah am Leben. Sehenswert.“

Ein hochaktuelles Thema hat das zeitgenössische Stück „Verräter“ (5. November) nach dem Buch des heute im Berliner Exil lebenden Journalisten Can Dündar. „Der ‚Fall Dündar‘ wird zu einem beklemmenden Lehrstück über die Gefahren, die von Demagogen und Extremisten wo auch immer für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde ausgehen, und über die Notwendigkeit, sich dem solidarisch entgegenzustellen“ schreibt die Presse über die eindringliche Inszenierung des Westfälischen Landestheaters, die obligatorisch von einem kostenlosen Demokratie-Workshop in der Schule ergänzt wird.

„Im Innern ist die 17-Jährige so mit Tränen gefüllt, dass sie nicht nur in sich selbst zu ertrinken droht. Sie spürt Fische in ihrem Kopf schwimmen“: „Augen voller Wahnsinn“ (5. Dezember 2019) ist ein berührender Monolog über ein junges Mädchen in einer Lebenswelt, die durch die moderne Kommunikationstechnologie beschleunigt ist. Einfühlsam und offen umkreist das Stück Themen, die besonders in der Phase der Pubertät ihre volle Wucht entfalten: Liebe, Einsamkeit und die ewige Frage „Bin ich richtig?“

„Wenn ich so etwas auf der Bühne trage, habe ich eine Verantwortung‘, sagt Sibel Polat, Hauptdarstellerin im Stück „Funny Girl“ (4. Februar) über ihre Rolle, „denn die Frage nach der Identität ist ein Kernthema für Menschen mit Migrationshintergrund.“ Sie spielt Azime, eine moderne junge Frau, deren größter Wunsch es ist, Comedian zu werden - ein Wunsch, den die Familie nicht teilt. Bald feiert sie als erster weiblicher kurdischer Comedy-Star Erfolge. Sie erntet dafür Applaus und Jubel, aber auch Morddrohungen und Familienstreit.

Goethes Tragödie erster Teil in einer besonderen Form ist „Faust@WhiteBoxx“ (21. Februar 2020). Er verlangt höchste Aufmerksamkeit und belohnt die Besucher zugleich mit einer fesselnden Story, die über 200 Jahre nach ihrer Entstehung noch genauso aktuell die jugendliche Lebenswelt trifft und zudem Inhalt des Zentralabiturs NRW ist. Die Tendenz, in kritischen Situationen lieber wegzusehen statt sich der eigenen Verantwortung zu stellen, verliebte Mädchen in einem absurd interpretierten Ehrbegriff zu ächten und realen Verpflichtungen durch scheinbar harmlose Verführungen zu entkommen: „Das alles sind keine Phänomene der Zeit, ebenso wenig die Verwandlung von Haltlosigkeit in Depression oder Aggression.“ bringt es die Presse auf den Punkt.

Unterstützt von einer Erzählerstimme aus dem Off schlüpft ein ungemein virtuoser Maximilian von Ulardt in „Der Sandmann“ in die Rolle des an seinem Schreibtisch sitzenden Autors E.T.A. Hoffmann. Er muss sein ganzes gestisches und mimisches Repertoire abrufen, um diese im Grunde monströse Gruselgeschichte dem Publikum näherzubringen: Der Soundtrack peppt den zum Inhalt des Zentralabitur 2019/2020 gehörenden Klassiker auf und macht ihn zu einer kurzweiligen modernen Inszenierung.

„Homevideo“ (24. April 2020) basiert auf dem Drehbuch zum gleichnamigen Fernsehfilm, der 2011 mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Auch deshalb, weil er ein weit verbreitetes Problem thematisiert: Jeder dritte Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren berichtet davon, digitale Gewalt in seinem Umfeld beobachtet zu haben; jeder fünfte sieht sich selbst als Opfer digitaler Gewalt. „Homevideo“ erzählt die realitätsnahe Geschichte eines film- und musikbegeisterten Jungen, der versucht, mit der Trennung seiner Eltern klarzukommen und damit, dass er sich gerade zum ersten Mal verliebt, und zwar so richtig. Doch er muss bitter erfahren: Für Cybermobbing gibt es keinen Rückzugsraum, das Internet kriecht auch unter die Bettdecke.

Wie schnell sich ein Mensch unter Druck durch falsche Versprechungen ausbeuten lässt, zeigt das Stück „Paradies“ (5. Juni 2020). Es ist die Geschichte eines Teenagers von heute – gefährlich und harmlos, hochkomisch und todernst, naiv und gedankenvoll. „Geschickt führt die lockere Inszenierung der gebürtigen Iranerin Mina Salehpour durch die Etappen einer Selbst-Isolierung. Die Zuschauer sitzen direkt neben ihm. So entsteht körperliche Nähe und eine indirekte Komplizenschaft. Ohne erhobenen Zeigefinger, manchmal gar mit Slapstick- und Comedy-Elementen. Das richtige Stück zur richtigen Zeit.“ jubelt die Presse über die Inszenierung vom Jungen Schauspiel Düsseldorf, das obligatorisch - ebenso wie Verräter – von Theaterpädagogen umfänglich in der Schule vor- und nachbereitet wird.

Mit „Free Mandela“ (30. Januar 2020) und „A Midsummer Night’s Dream“ (21. November 2019) ist das TNT Theatre gemeinsam mit der American Drama Group mit zwei englischsprachigen Stücken zu Gast in der Jugendtheater-Reihe. Der Shakespeare-Klassiker ist 2019/2020 ebenfalls Inhalt im Zentralabitur.

Das ausführliche Jugendtheater-Programm „Echt krass! Theater 4You“ liegt ab sofort in allen öffentlichen Stellen in der Region aus, steht hier zum Download bereit oder kann unter kulturbuero@iserlohn.de angefordert werden. Einzel-Tickets (0 23 71 - 2 17 18 20) sowie Gruppenbestellungen von Schulklassen, die schriftlich erbeten werden (kulturbuero@iserlohn.de), sind für alle Aufführungen ab sofort möglich!