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Entwicklung des Schillerplatz-Areals: Ausgangssituation, Ziele und weiteres Vorgehen: Beschluss des Rates am 19. März

Der Rat der Stadt Iserlohn hat sich in seiner Sitzung am 19. März 2019 mit dem Thema „Entwicklung des Schillerplatz-Areals: Ausgangssituation, Ziele und weiteres Vorgehen“ befasst. Auf der Grundlage einer ausführlichen Drucksache der Verwaltung und nach langer Diskussion hat er schließlich mit großer Mehrheit folgenden Beschluss gefasst:

„1. Der Rat der Stadt beschließt die grundsätzlichen städtebaulichen und verkehrlichen Ziele für das Schillerplatz-Areal lt. Abschnitt 1.2 und Abschnitt 3 dieser Drucksache.

2. Der Rat der Stadt befürwortet die mehrstufige Herangehensweise in fünf Bauphasen lt. Abschnitt 5.4 dieser Drucksache. Über die Auslobung eines Investorenwettbewerbs insbesondere für die fünfte Bauphase wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

3. Der Rat der Stadt Iserlohn beauftragt die Verwaltung, die Übertragung der Aufgabe der Projektvorbereitung, Planung und Realisierung auf die Schillerplatz GmbH zu prüfen. Diese Prüfung soll die kommunal-, steuer- sowie beteiligungs- und beihilferechtlichen Aspekte berücksichtigen. Die zuständigen Fachausschüsse und der Rat sind über die Prüfungsergebnisse zu informieren.“

Nachfolgend finden Sie die im Beschluss genannten Abschnitte aus der Drucksache:

Zu Punkt 1. des Beschlusses: Abschnitt 1.2 „Übergeordnete Zielsetzung“ 

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, eine städtebauliche Gesamtkonzeption für das Schillerplatz-Areal zu finden, die insbesondere mit Blick auf Architektur, Städtebau, Stadtgestaltung, Baukultur, Freiraum und Nutzungsstruktur der zukünftig rahmengebenden Gebäude sowie einer verbesserten verkehrlichen Erschließung die Attraktivität des Schillerplatz-Areals nachhaltig erhöht.

Zusammen mit einer hochwertigen Platzgestaltung soll so insgesamt eine neue Aufenthaltsqualität mit Bezug zu Gastronomie oder innerstädtischen Veranstaltungen entstehen. Es soll sich mittelfristig eine gesunde Nutzungsstruktur am Schillerplatz und in den angrenzenden Bereichen der Innenstadt entwickeln.

Dabei soll am Schillerplatz eine Abrundung der Iserlohner Einzelhandelsflächen vorgesehen werden. Ein großes Einkaufscenter würde den in Nachbarstädten zu beobachtenden Effekt herbeiführen, dass der innerstädtische Einzelhandel nahezu vollständig in diesem Center stattfinden und damit eine Verödung der Rest-Innenstadt verursacht werden würde.

Gleichzeitig ist diese Komplettierung nur in einer Größe vorstellbar, die es versteht, durch Fläche und Form neben dem konkret abgegrenzten Bereich des Schillerplatzes auch die Stadt in Gänze aufzuwerten. Es soll daher eine Lösung gefunden werden, welche groß genug ist, positive Impulse setzen zu können, allerdings gleichzeitig nicht das austarierte Gefüge der restlichen Innenstadt sprengt (siehe Gutachten CIMA – max Vk: 14.000 m²).

Zu Punkt 1. des Beschlusses: Abschnitt 3 „Abgeleitete Ziele / Handlungsempfehlungen“

3.1 Schillerplatz

  • Neufassung des Schillerplatzes bzw. des Karstadt Komplexes, um dadurch den Schillerplatz architektonisch neu zu fassen
  • Neugestaltung des Schillerplatzes - dabei sollte eine Nutzung des Platzes als Marktplatz, Veranstaltungsort und Begegnungsplatz gewährleistet werden.
  • Größe der barrierefrei zusammenhängenden Platzfläche ca. 4.200 m² incl. Übergangsbereich in die umliegenden Straßen - zzgl. eines Übergangsbereiches mit Höhenausgleich zur Brücke von ca. 1.600 m² gemäß Anlage 3: Lageplan städtebauliche Ziele.
  • Verknüpfung der verschiedenen Stadträume, um eine klare Abfolge der verschiedenen Platzsituationen zu erreichen unter besonderer Berücksichtigung der Sichtbeziehung Eingangsbereich Laarstraße – Rathaus I.
  • Die Höhenlage der neuen Platzfläche ist aus dem Bestand (Eingang Rathaus I/ Brücke), der Neuplanung der Sparkasse und zu überplanenden Handelsimmobilie festzulegen.
  • Für etwaige Neubauten am Schillerplatz ist die Gestaltungssatzung zu beachten.

3.2 Warenhaus

  • Attraktive Anbindung des Karstadt Komplexes an die Brücke und an die umliegenden Straßenzüge. Schaffung einer Öffnung/Verbindung zwischen öffentlichem Raum und Verkaufsstätte. Nach Möglichkeit ist ein zweiter Haupteingang zur Anbindung/ Aufwertung von Vinckestraße/Stahlschmiede zu schaffen.
  • Die Neuplanung des Karstadt Gebäudes muss sich in seiner zukünftigen Höhenentwicklung an die umliegende vorhandene Höhenentwicklung anpassen. (max.: IV Geschosse – Bezug: Theodor-Heuss-Ring)
  • Das Warenhaus darf max. bis Achse 4 (s. Anlage 3: Lageplan städtebauliche Ziele) in den Schillerplatz hineinwachsen, um die Sichtbeziehungen nicht zu stark einzuschränken. Achse 4 markiert die Außenkante des Karstadt-Kellers unter dem Schillerplatz.
  • Die für das Warenhaus notwendige Haustechnik ist in das Gebäude zu integrieren (z.B. innerhalb eines untergeordneten, zusätzlichen Staffelgeschosses)
  • Staffelgeschoss als Technik- und Wohngeschoss zulässig: Begrenzung Westseite bis auf Achse 7; ansonsten min. 9 m Rücksprung von der Hauptfassade
  • Nach Möglichkeit Umbau bzw. Abriss und Neubau des Karstadt-Gebäudes unter Einbeziehung des eingeschossigen Anbaus im Bereich Vinckestraße. Dabei ist auf eine umlaufende Fassade mit gleichbleibender Qualität hinsichtlich Gestaltung und Materialien zu achten.

3.3 Schillerplatz-Brücke

  • Neubau und Gestaltung der Brücke zum Rathaus I mit Blick auf den Denkmalschutz;   Blick- bzw. Laufbeziehung zwischen Schillerplatz und den Rathäusern I + II beachten.
  • Attraktivierung des Raumes unterhalb der Brücke – unter Beachtung einer Neustrukturierung der Verkehrsflächen.
  • Mindestbreite der neuen Brücke 15 m

3.4  Verkehr und Erschließung

Zu den Hauptzielen im Anforderungsprofil Verkehr zählen:

  • Es ist eine barrierefreie fußläufige Anbindung zwischen Theodor-Heuss-Ring und Schillerplatz anzustreben (24 Std.). Darüber hinaus sind alle Höhenunterschiede auch barrierefrei zu gestalten.
  • Aufwertung des Verkehrsraums ‘Theodor-Heuss-Ring‘ im Bereich des Schillerplatz-Areals
  • Optimierung/Neustrukturierung der Situation im Pkw- und Lkw-Verkehr (Zu- und Ausfahrten, Lkw-Anlieferung, Rampen und Rolltore)
  • Aufhebung der hohen Trennwirkung des Theodor-Heuss-Rings für Fußgänger und Radfahrer
  • Schaffung bedarfsgerechter und barrierefreier Wege, Querungen und Zugänge für Kunden und Innenstadtbesucher
  • Verwirklichung einer dem Vorhaben angemessen gestalteten Bushaltestelle
  • Schaffung attraktiver Zufahrts- und Abstellmöglichkeiten für den Radverkehr
  • Die Anzahl der im Bestand vorhandenen Stellplätze ist zu erhalten, soweit gemäß Stellplatzsatzung nicht zusätzliche Stellplätze erforderlich sind.
  • Die neue Schillerplatzbrücke soll für Fußgänger und gelegentlichen KFZ-Verkehr für Fahrzeuge bis 7,5 to bemessen werden.
  • Der neue Schillerplatz soll für Schwerlastverkehr ausgelegt werden, um ggf. größere Veranstaltungen durchführen zu können.
  • Attraktivierung der Vinckestraße zwischen Schillerplatz und Konrad-Adenauer-Ring
  • Schaffung einer attraktiven Eingangs- bzw. Zugangssituation im Kreuzungspunkt Karstadt – Vinckestraße / Stahlschmiede
  • Vinckestraße bei Neubau mit ca.15 m Breite niveaugleich und frei von Rampen/Stufen, Baugrenze: heutige Vorderkante Vordach
  • Option: Die Möglichkeit einer alternativen Erschließung des Warenhauses für PKW und LKW über den Knoten Theodor-Heuss-Ring/Lange Str./Sofienstr. ist mit der Verkehrsuntersuchung als machbar unter Beweis gestellt.

3.5  Ziele für den Einzelhandel

  • Das Markt- und Standortkonzept der CIMA Beratung und Management GmbH ist zu berücksichtigen. Die Untersuchung ist als Fachgutachten für weitere Planverfahren anzusehen. Die darin enthaltenen Empfehlungen, insbesondere das Sortimentskonzept, sind zu beachten.
  • Zukünftige Einzelhandelsnutzungen sind in einer offenen Bauweise mit ansprechenden Eingangssituationen zum Schillerplatz auszurichten. Alle Einzelhandelsnutzungen sollten vom Schillerplatz aus zugänglich sein. Von einer geschlossenen Centerstruktur mit Geschäftszugängen über eine innenliegende Mall ist abzusehen.
  • Die Attraktivierung des Schillerplatzareals sollte über das Hinzutreten weiterer Verkaufsflächen im nahversorgungs- und zentrenrelevanten Sortimentsbereich bei moderater Erhöhung der Gesamtverkaufsfläche gegenüber dem heutigen Bestand erfolgen (max.: 14.000 m² Verkaufsfläche).
  • Neue Einzelhandelsnutzungen sollten das bestehende Angebot in der Innenstadt ergänzen; die Verlagerung bestehender Betriebe innerhalb der Innenstadt (z.B. vom Rathausplatz zum Schillerplatz) sind zu vermeiden.
  • Vorrangiges Ziel sollte der Erhalt des Karstadt-Hauses als langjährig etablierte Einzelhandelsnutzung und wichtiger Frequenzbringer für die gesamte Innenstadt sein.


Zu Punkt 2. des Beschlusses: 5.4  Empfehlungen für eine gesamtplanerische Vorplanung 

Ein möglicher Lösungsansatz besteht darin, eine gesamtheitliche Vorplanung zu erstellen und das Projekt in mehrere Bauabschnitte zu gliedern. Dadurch soll die Komplexität des Projektes auf überschaubare Dimensionen begrenzt werden. Das Warenhaus soll als letzter Baustein realisiert werden, nachdem die Garagen- und Stellplatzproblematik entschärft ist, weitere Erfahrungen mit dem Baugrund aus einem ersten Bauabschnitt vorliegen und die Kündigungsoption von Karstadt zum 30.06.2021 verstrichen und kein Risiko mehr darstellt. 

Je einfacher sich ein Projekt für einen Investor darstellt, desto erfolgversprechender ist ein Investorenwettbewerb. Er könnte für eine fünfte und letzte Bauphase mit deutlich größeren Chancen auf verlässliche Angebote als zum jetzigen Zeitpunkt ausgelobt werden: 

1. Bauphase: Neugestaltung des Teilgrundstücks „blauer Karstadt-Anbau“. Ein nahe liegendes Ziel wäre es, auf diesem Teilgrundstück Ersatzstellplätze für die abgängige Garage unter dem Schillerplatz zu errichten, soweit sie nicht in einer neuen Garage unter dem Schillerplatz angeordnet werden können.

2. Bauphase: Abriss der Schillerplatz-Brücke.

3. Bauphase: Abriss und Neubau der Garage (vsl. mit weniger Geschossen und Stellplätzen als derzeit vorhanden). Herstellung des Garagendeckels auf abgesenktem Niveau. Provisorische Herstellung der Oberfläche des Schillerplatzes. Provisorische Anbindung von Karstadt an den Schillerplatz in neuer Höhenlage.

4. Bauphase: Neubau der Schillerplatz-Brücke.

5. Bauphase: Ggf. Auslobung eines Investorenwettbewerbs. Je nach Ausgang

 tlw. Unterbringung von Karstadt in provisorischen Verkaufsräumen auf dem Schillerplatzmit abschnittsweisem Rück- und Neubau des Warenhauses

 oder

-       Verzicht auf Abriss des Warenhauses. Sanierung des Warenhauses. Errichtung eines Vorbaus am Warenhaus zum Ausgleich des Höhenunterschiedes zum Schillerplatz.  

Diese Empfehlung wäre durch die Schillerplatz GmbH hinsichtlich ihrer Machbarkeit noch näher zu untersuchen und mit Karstadt abzustimmen.