Fritz Kühn

geboren am 11. Oktober 1883 in Iserlohn-Obergrüne
gestorben am 3. August 1968 in Iserlohn

Fritz Kühn besuchte die Volksschule Obergrüne und die Mittelschule Iserlohn und wurde von 1899 bis 1904 in Holzwickede und Gütersloh als Volksschullehrer ausgebildet. Nach ersten Lehrerstellen in Berchum und Hohenlimburg war er seit 1908 in Iserlohn, zunächst an der so genannten „Alten Schule“, tätig. 1914 bis 1918 nahm er als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, aus dem er 1918 als Leutnant der Reserve zurückkehrte.

1919/20 legte er die Mittelschullehrer- und die Rektorprüfung ab und wurde Lehrer für die Mittelschulklassen der Evangelischen Ostschule in Iserlohn. 1931 erhielt er eine Stelle als Volksschulrektor der Evangelischen Westschule (Martin-Luther-Schule). 1934 wurde Kühn Rektor der Ostschule (Wittekindschule) und 1941 übernahm er als Rektor die Leitung der neuen Städtischen Mittelschule Iserlohn.

Politisch engagierte sich Kühn nach dem Ersten Weltkrieg zunächst in der Deutschen Volkspartei. Danach wurde er Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (1923 bis 1933). Er war Mitglied im Stahlhelm und Führer der Ortsgruppe des Jungdeutschen Ordens in Iserlohn (1920 bis 1930). Kühn wurde im März 1933 Stadtverordneter für die gemäßigt rechte Kampffront Schwarz-Weiß-Rot und wechselte im Zuge der Gleichschaltung im Juli 1933 als „Hospitant“ zur NSDAP-Fraktion. Obwohl er erst 1937 Mitglied der NSDAP wurde, schlug ihn der damalige NSDAP-Ortgruppenleiter Menze 1934 als Gemeinderat vor. 1935 wurde er als Ratsherr berufen.

Nach Kriegsende 1945 wurde Kühn von der Leitung der Mittelschule entbunden. Im Entnazifizierungsverfahren stufte ihn die Berufungskammer als „Entlasteten“ ein, sodass Schulausschuss und Stadtvertretung ihm die Leitung der Mittelschule im Januar 1949 wieder übertrugen. Am 31. März 1949 erfolgte seine Versetzung in den Ruhestand.

Fritz Kühn war in zahlreichen Iserlohner Vereinen aktiv, so u. a. als Vorstandsmitglied des Sauerländischen Gebirgsvereins und des Iserlohner Heimatvereins. Seit 1934 war er Leiter der Ortsgruppe Iserlohn des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, ab 1945 Vorsitzender des Kreisverbandes Iserlohn und ab 1960 Vorsitzender des Kreisverbandes Iserlohn-Stadt dieses Vereins. Kühn war Leiter der Kriegerkameradschaft 1887 Iserlohn, Ehrenhauptmann des Iserlohner Bürgerschützen-Vereins (IBSV), Ehrenmitglied der Pommerschen Landsmannschaft und Ehrenmitglied des Kyffhäuserbundes Iserlohn.

Von 1930 bis 1954 war Fritz Kühn als Nachfolger seines Vaters Rudolf Kühn Organist der evangelischen Obersten Stadtkirche. Von 1948 bis 1958 gehörte er dem Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Iserlohn an.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Kühn schriftstellerisch tätig. Er verfasste Zeitungsbeiträge, Kurzgeschichten und Erzählungen für Kinder, kleine Bühnenstücke, arbeitete an einem Schulbuch zur „Heimatkunde“ und einem Lehrerhandbuch für den Deutschunterricht mit und schrieb zu heimatgeschichtlichen Themen. Seine Veröffentlichungen in der NS-Zeit waren zum Teil von der nationalsozialistischen Ideologie beeinflusst.

Von 1954 bis 1968 war Fritz Kühn Stadtarchivar und ehrenamtlicher Leiter des „Hauses der Heimat“, in dem sich das Stadtarchiv und seit 1937 ein Heimatmuseum befanden.

Kühn genoss nach dem Zweiten Weltkrieg in weiten Kreisen der Iserlohner Bevölkerung hohe Anerkennung. Am 19. Juni 1956 wurde ihm nach einstimmigem Beschluss des Rates „in Würdigung und dankbarer Anerkennung seiner vielseitigen Verdienste um die Stadt Iserlohn auf schulischem, musikalischem, heimatkundlichem und schriftstellerischem Gebiet“ das Ehrenbürgerrecht der Stadt Iserlohn verliehen. Nach dem Tod von Fritz Kühn beschloss der Rat 1969 einstimmig die Benennung des „Fritz-Kühn-Platzes“.

Die von dem ungarischen Künstler Sandor Navai geschaffene Büste Fritz Kühns wurde auf Initiative des IBSV und mit Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen 1990 vor dem Stadtmuseum aufgestellt und der Stadt Iserlohn übergeben.

Seit Anfang der 1990er Jahre sind die Aufstellung der Büste und die Benennung des „Fritz-Kühn-Platzes“ wegen Kühns Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus politisch umstritten.

Quellen (Auswahl):

  • Bundesarchiv Berlin, R 9361 V/7393 (Reichskulturkammer: F. Kühn) und NSDAP-Gaukartei (F. Kühn)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand B 5 Nr. 22 (Berufung der Ratsherren)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand B 5 Nr. 252 (Ehrenbürgerrechte für F. Kühn und Dr. W. Schulte)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand D 1 Nr. 241 (Personalakte F. Kühn)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand D 3-11 Nr. 8 (Chronik der Städtischen Mittelschule Iserlohn)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand Kl. Erw. B 13 (Nachlass Richard Steilberg)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand N 7 (Nachlass Fritz Kühn)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand V 6 (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Kreisverband Iserlohn-Stadt) Nr. 6 und Nr. 22
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand ZGS G 3 (Zeitgeschichtliche Sammlung, Mappe F. Kühn)

Literatur (Auswahl):

  • Fritz Kühn zum Gedächtnis. Iserlohn 1968 (Beiträge zur Geschichte Iserlohns – Schriftenreihe Haus der Heimat, Band 12).
  • Gödden, Walter; Nölle-Hornkamp (Hg.): Westfälisches Autorenlexikon, Band 3: 1850 bis 1900. Paderborn 1997, S. 400-402.
  • Holtmeier, Hermann: Markante Köpfe aus dem Märkischen Kreis. Lebensdaten bedeutender Persönlichkeiten aus Iserlohn mit den Stadtteilen Letmathe, Hennen und Sümmern. Iserlohn 1997 (Veröffentlichungen des Heimatbundes Märkischer Kreis), S. 72.
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