Die Alpen
Die Alpen haben eine bewegte Geschichte. Sie begann vor etwa 280 Millionen Jahren. Damals gab es auf der Erde nur einen Ozean und darin eine einzige riesige Landmasse, den Superkontinent Pangäa, der gerade anfing, auseinander zu brechen.
Ein Stückchen nördlich des Äquators von Pangäa lag eine Wüste, die – während der Superkontinent zerfiel – von einem warmen Meer überspült wurde. Dieses urzeitliche Meer, Alpine Tethys genannt, weitete sich zu einem Ozean etwa so groß wie das Rote Meer heute. Er lag zwischen zwei großen Bruchstücken von Pangäa, dem urzeitlichen Europa und der Adriaplatte, einem Sporn des urzeitlichen Afrika.
Über Jahrmillionen sammelten sich auf dem Grund der Alpinen Tethys Schicht für Schicht Unmengen von Sedimenten an – als Afrika plötzlich begann, die Adriaplatte gegen Europa zu schieben. Die unzähligen Schichten und sogar Teile des Ozeanbodens wurden ineinander verkeilt, gequetscht und gefaltet. Der gewaltige Druck hat die Felsmassen schließlich aus dem Ozean herausgepresst. Mächtige Schichtpakete sind dabei zerbrochen, wurden gekippt und steilgestellt. Das war vor etwa 50 Millionen Jahren. Die Alpen waren geboren.
Viel später - vor etwa zwei Millionen Jahren – begannen die Gletscher der Eiszeit dem Gebirge seine heutige Form gegeben. Sie hobelten Gipfel zurecht und schürften Täler aus.
Noch heute drückt Afrika die Adriaplatte gegen Europa. Die Alpen wachsen noch immer um etwa einen Millimeter pro Jahr in die Höhe. Doch sie sind auch dem Zerfall preisgegeben. Kälte und Hitze machen den Fels mürbe, Regenwasser spült ihn aus. Felstrümmer poltern aus Steilwänden zu Tal. Gletscherzungen und Wildbäche transportieren den Schutt ab und fressen sich dabei selbst immer tiefer ins Gestein.
Bei diesem Zerfall werden jedoch auch Spuren freigelegt, an denen sich die Geschichte der Alpen ablesen lässt. Der Fotograf Bernhard Edmaier hat an ausgewählten Orten Flugbilder aufgenommen, die den komplexen und kunstvollen Aufbau des Gebirges widerspiegeln und vom heutigen Zustand dieses seit Jahrmillionen andauernden Entstehungsprozesses zeugen.