Fanny van Hees (1817–1870)

Seit dem 26. September 2026 ist Iserlohn Teil des Projektes „FrauenOrte NRW“. Am Haus Gartenstraße 33 weihten an diesem Tag Inge Blask MdL, Vorstandsmitglied des FrauenRats NRW e. V., Gleichstellungsbeauftragte Patricia da Cruz Santos und Stadtarchivar Rico Quaschny eine Informationstafel für Fanny van Hees (1817–1870) ein. Die Waldstadt gehört damit zu den fünf Kommunen, die 2026 neu in das Projekt aufgenommen wurden – Fanny van Hees ist eine von acht Frauen, die in diesem Jahr durch einen „FrauenOrt NRW“ gewürdigt werden.

Träger des Projektes „FrauenOrte NRW“ ist der FrauenRat NRW e. V., gefördert durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 2022 ehrt der FrauenRat NRW e. V. historische Frauenpersönlichkeiten, die in NRW gewirkt und gelebt haben, um ihren Beitrag zur Geschichtsschreibung des Landes mit Hilfe von Infotafeln im öffentlichen Raum sichtbarer zu machen.

Fanny van Hees war 1852 Gründerin und Direktorin der ersten Höheren Töchterschule in Iserlohn. Als examinierte Lehrerin unterrichtete sie selbst und setzte sich dafür ein, dass Mädchen eine höhere Schulbildung erhielten.

Fanny van Hees wurde am 8. Oktober 1817 als zehntes Kind einer Fabrikantenfamilie in Köln geboren. Obwohl sie in bildungsbürgerlichen Verhältnissen aufwuchs, war ihre Kindheit und Jugend von häufigen Ortswechseln, nur wenigen Jahren mit regulärem Schulbesuch sowie dem frühen Tod der Mutter gekennzeichnet. Schon in jungen Jahren war sie u. a. als Hausangestellte bei Familien in der Nähe von Aachen, Barmen und Wald bei Solingen tätig. 1845/46 lebte sie in Paris bei ihrem Bruder und dessen Familie. Wie sie 1852 in ihrem Lebenslauf schrieb, war sie stets bemüht, sich „auch in anderer Weise auszubilden u. meiner Lust zu den Wissenschaften zu genügen“ und „so viel wie möglich meinen Geist auszubilden“ (Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Bestand K 101 Nr. 64866).

Seit 1849 wohnte Fanny van Hees in Iserlohn, wo sie ihr Cousin, der Rechtsanwalt, Justizrat und Stadtverordnetenvorsteher Franz Ludwig Nohl, unterstützte. Sie gab zunächst für Mädchen privaten Unterricht in Handarbeiten. Direktor Hermann Friedländer, der eine von ihrer Tante Antoinette Beeckmann, geborene van Hees (1776–1863), gegründete Höhere Töchterschule in Elberfeld leitete, bereitete Fanny van Hees auf die Lehrerinnenprüfung vor, die sie im April 1852 in Düsseldorf bestand. Danach stellte sie in Iserlohn den Antrag, eine Mädchenschule zu gründen. Die Iserlohner Bürgerschaft ermunterte Fanny van Hees in einem Schreiben vom 27. Mai 1852 ausdrücklich zur Schulgründung: „Unsere Töchter werden wir mit dem größten Vergnügen dieser Anstalt und Ihrer Leitung anvertrauen.“ (Stadtarchiv Iserlohn, Bestand A 2 Nr. 1177).

Am 5. Juli 1852 konnte sie ihre private Höhere Töchterschule eröffnen, die um 1863/64 sogar ein eigenes Schulgebäude (damals: „Auf der Stenner“, Haus Nr. 1124, heute: Gartenstraße 33) bezog.

Aus gesundheitlichen Gründen gab Fanny van Hees nach 17 Jahren die Leitung der Schule ab. Sie starb kurz darauf am 6. Juni 1870 in Iserlohn. 1869/70 übernahm die Stadt Iserlohn ihre Schule, aus der das heutige Gymnasium An der Stenner hervorging.

In Iserlohn erinnern die „Van-Hees-Straße“ (seit 1975), der „Fanny-van-Hees-Saal“ in der Volkshochschule und der 2015 erstmals verliehene „Fanny-van-Hees-Preis“ an die Gründerin der ersten höheren Mädchenschule in Iserlohn.
 

Quellen:

  • Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, K 101 / Regierung Arnsberg / Schulen, Nr. 64866 (Höhere Mädchenschule zu Iserlohn) [Link zur Transkription des Lebenslaufs von Fanny van Hees vom 1. Juli 1852]
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand A 2 Nr. 334 (Verkauf des Schul- und Wohnhauses von Privatlehrer Gustav van Hees an die Stadt Iserlohn) [Link zum Digitalisat der Akte]
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand A 2 Nr. 1177 (Einrichtung einer privaten höheren Töchterschule von Fanny van Hees) [Link zum Digitalisat der Akte]
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand Kl. Erw. B 9 (Tagebücher und autobiografische Aufzeichnungen von Fanny van Hees)
  • Stadtarchiv Iserlohn, Bestand Kl. Erw. B 208 (Briefwechsel der Familie van Hees mit Familie Böcker in Solingen)
     

Literatur:

  • Puppel, Pauline: Fanny van Hees, Gründerin der „Höheren Töchterschule“ in Iserlohn. 1817–1870. Iserlohn 2002 (Stadtarchiv Iserlohn, Beiträge und Mitteilungen, Heft 7).
  • Wiescher, Michael: Susanna Sophia Antoinette van Hees – eine Schulgründerin im frühen 19. Jahrhundert, in: Geschichte im Wuppertal, 19. Jg., 2010, S. 88-107.