Das neue Programm des Stadtarchivs Iserlohn für die stadtgeschichtliche Vortragsreihe im zweiten Halbjahr 2026 liegt vor. Von September bis November 2026 verspricht die seit 2012 etablierte Veranstaltungsreihe außergewöhnliche Lesungen und Vorträge sowie abwechslungsreiche Zugänge zur Geschichte von Stadt, Region und Land.
Stadtarchivar Rico Quaschny freut sich gemeinsam mit der Volkshochschule (VHS) Iserlohn als bewährtem Kooperationspartner auf ein vielfältiges Angebot im mittlerweile 15. Jahr der stadt- und regionalgeschichtlichen Vortragsreihe.
Mit Fanny van Hees, Ludwig Freiherr von Vincke, Ludwig Schröder und Franz Laska stehen ganz unterschiedliche Menschen im Fokus der Vorträge des zweiten Halbjahres. „Biografien eignen sich besonders, um die Einbettung des Einzelnen in das jeweilige Zeitgeschehen zu veranschaulichen. Unsere Zuhörerinnen und Zuhörer werden eine engagierte Lehrerin, einen rastlosen Oberpräsidenten, einen heimatbewegten Lehrer und einen leidensfähigen Kriegsgefangenen kennenlernen“, resümiert Rico Quaschny.
Alle Lesungen und Vorträge beginnen dienstags, um 18.30 Uhr, im Fanny-van-Hees-Saal der VHS Iserlohn, Bahnhofsplatz 2. Der Eintritt je Vortrag beträgt 6 Euro, Ermäßigungsberechtigte zahlen 3 Euro.
Spannende Einblicke in die Gedanken prägender Iserlohner Persönlichkeiten
Zur kostenfreien Auftaktveranstaltung erwartet Interessierte am Samstag, 26. September, eine Kooperation mit dem FrauenRat NRW e. V., der Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn und dem Gymnasium An der Stenner. Im Rahmen des landesweiten Projektes „FrauenOrte NRW“ wird eine Informationstafel für Fanny-van-Hees (1817–1870) am Haus in der Gartenstraße 33 eingeweiht. Die examinierte Lehrerin hatte 1852 ihre private Höhere Töchterschule in Iserlohn eröffnet und 17 Jahre lang geleitet. 1869/70 übernahm die Stadt die Schule, aus der das heutige Gymnasium An der Stenner hervorging. Der Einsatz von Fanny van Hees für bessere Bildungsangebote für Mädchen wird im Rahmen der Einweihung der Tafel unter anderem mit einem Vortrag der Historikerin und Archivarin Dr. Pauline Puppel gewürdigt.
Am Dienstag, 13. Oktober, kommt Ludwig Freiherr von Vincke (1776–1844) nach Iserlohn – zumindest symbolisch, wenn Schauspieler Markus von Hagen spannende Passagen über Iserlohn und seine Gesellschaft aus dem Tagebuch des Ludwig Freiherrs von Vincke liest. Der erste Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen war ein rastloser Beamter, der die Hälfte seiner Arbeitszeit vor Ort bei den Menschen in Westfalen und nur die andere Hälfte am Schreibtisch in Münster verbrachte. Vor Ort, also auch in Iserlohn, traf er Honoratioren – angesehene Bürger – und Kaufleute, Kommunalpolitiker sowie einfache Leute. Seine Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen hielt er über 55 Jahre hinweg in seinem Tagebuch fest. So entstand ein intensives, lebensnahes und ursprüngliches Bild des Alltagslebens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine kurze Einführung in das Leben und die Projekte Vinckes von Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Leiterin des Landesarchivs NRW Abteilung Westfalen und Vorsitzende der Historischen Kommission für Westfalen, ordnet die vorgelesenen Passagen historisch ein. Im Anschluss sollen die Gäste bei Getränken und Brezeln ins Gespräch kommen. Kooperationspartner dieser besonderen Veranstaltung sind das Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, und die Historische Kommission für Westfalen.
Die Biografie des ersten offiziellen Iserlohner Stadtarchivars Ludwig Schröder (1863–1934) ist Thema am Dienstag, 3. November. Dr. Walter Wehner, Literaturwissenschaftler und Lokalhistoriker aus Iserlohn, hat sich mit seiner Biografie beschäftigt und stellt die Ergebnisse seiner Recherchen vor. Ludwig Schröder kam 1883 als Lehrer von Soest nach Iserlohn, hielt neben seiner pädagogischen Tätigkeit eine Fülle an Vorträgen zu literarischen und historischen Themen, schrieb Rezensionen, veröffentlichte als Schriftsteller und Herausgeber eine Reihe von Büchern, trat erfolgreich als Rezitator von Dialekt-Texten auf, engagierte sich in zahlreichen lokalen Verbänden und Vereinen, war zweiter Vorsitzender der Abteilung Märkisches Sauerland des Westfälischen Heimatbundes und Entdecker des Erstdrucks des Westfalenliedes. Neben dem Stadtarchiv leitete er auch die Volksbücherei. Die Geschichte seiner Familie – von seinen Eltern bis zu seinen Kindern – spiegelt zugleich die Umbrüche und die Katastrophen des Ersten Weltkrieges und die Abgründe der NS-Zeit in teils erschreckender Weise wider. Lokalhistorie zeigt sich hier zugleich als eindrucksvolles Beispiel für die deutsche Geschichte.
Wie Geschichte sich ganz persönlich auswirkt, wird auch in der Veranstaltung am Dienstag, 17. November, deutlich. Unter dem Titel „Vorhof zur Hölle“ liest Dr. Michael Laska aus Siegburg aus dem Bericht seines Vaters über dessen fünfjährige Kriegsgefangenschaft. Franz Laska (1920−2005) war von August 1944 bis Mai 1949 als deutscher Soldat in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung lebte er zunächst einige Jahre in Hagen; dorthin war seine Familie aus Schlesien vertrieben worden. Danach wohnte Franz Laska bis zu seinem Lebensende in Iserlohn. Er war in leitender Stellung beim Arbeitsamt Iserlohn beschäftigt. In den 1990er Jahren verfasste er einen Tatsachenbericht über seine Erlebnisse während der Gefangenschaft, den er anschließend seinen Kindern übergab. Der Bericht befand sich jahrelang im Bücherschrank des Sohnes Michael, der ihn Anfang 2025 erneut in die Hand nahm und Anfang 2026 als Buch veröffentlichte.
Alle Informationen im Faltblatt
Das Faltblatt mit der Terminübersicht und kurzen Informationstexten zu den einzelnen Veranstaltungen liegt im Stadtarchiv, der VHS und anderen Kulturinstituten sowie in der Stadtinfo aus. Es wird auf Wunsch gern zugesandt und ist im Internet unter www.archiv-iserlohn.de abrufbar. Die VHS als Kooperationspartner hat alle Angebote auch in ihr neues Programm 2026 / 2027 aufgenommen.
Die Veranstaltungen im zweiten Halbjahr 2026 im Überblick:
- Samstag, 26. September, 10 Uhr (Gartenstraße 33) und 11 Uhr (Gymnasium An der Stenner, Forum):
FrauenOrte NRW: Fanny van Hees (1817–1870) in Iserlohn
Einweihung der Tafel, u. a. mit Vortrag von Dr. Pauline Puppel, Aumühle. - Dienstag, 13. Oktober, 18.30 Uhr (VHS):
Ludwig Freiherr Vincke auf Reisen: ... in Iserlohn
Lesung aus den Tagebüchern des Ludwig Freiherrn Vincke mit dem Schauspieler Markus von Hagen und Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Münster. - Dienstag, 3. November, 18.30 Uhr (VHS):
Iserlohner Köpfe: Der Iserlohner Stadtarchivar Ludwig Schröder und seine Familie
Vortrag von Dr. Walter Wehner, Iserlohn. - Dienstag, 17. November, 18.30 Uhr (VHS):
„Vorhof zur Hölle“. Fünf Jahre als Kriegsgefangener in der Sowjetunion
Lesung von Dr. Michael Laska, Siegburg, aus dem Bericht seines Vaters über dessen Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion.