Wespen / Hornissen

Wespen

Laut Umweltbundesamt gibt es in Deutschland rund 700 verschiedene Wespenarten, die sehr unterschiedliche, aber wichtige Funktionen im Netz der biologischen Vielfalt übernehmen. Die meisten sind gelb-schwarz gefärbt und sehr friedfertig.

Die Gemeine Wespe bzw. die Deutsche Wespe benötigt zur Larvenaufzucht proteinreiche Nahrung, zu der hauptsächlich Insekten und deren Larven gehören. Für die eigene Ernährung benötigen sie vor allem im Herbst zuckerhaltige Speisen wie Fallobst. Die Königinnen dieser beiden Arten werden bis zu 2 cm lang.

Es wird zwischen sozialen und solitär lebenden Wespen unterschieden. Soziale Wespen bauen Nester oder leben als Erdwespen im Boden.

Einzelne Tiere der Gemeinen und der Deutschen Wespe sind für den Laien schwer zu unterscheiden. Bei den Nestern wird der Unterschied aber deutlich: Das Nest der Gemeinen Wespe ist bräunlich, das der Deutschen Wespe eher grau. Beide nutzen u.a. Erdbauten von Mäusen oder Maulwürfen zur Nestanlage, in Siedlungsnähe aber auch Rollladenkästen, Dachböden oder andere dunkle, witterungsgeschützte Hohlräume.

Die Sächsische Wespe hat freihängende Nester und interessiert sich wie die Feldwespen nicht für menschliche Nahrung wie z.B. Kuchen. Die Haus-Feldwespe baut Nester ohne äußere Hülle, so dass die Waben sichtbar sind.

Die meisten Wespenarten sind solitär lebend, d.h. ein Weibchen versorgt allein seine Nachkommen. Bei den Arten mit Nestern leben im Sommer bis zu mehreren Tausend Arbeiterinnen. Ein Nest wird aber, mit Ausnahme der Feldwespennester, nicht wieder besiedelt.

Wespen können im Gegensatz zu Bienen, die beim Stechen sterben, mehrfach stechen. Dies liegt am Aufbau ihres Stechapparates. Sogar tote oder zerteilte Tiere können noch stechen.

Menschen, die gegen Bienengift allergisch sind, reagieren zu 30 bis 50 % auch auf Wespengift.

Rund 20 Menschen sterben pro Jahr durch Insektenstiche von Bienen, Wespen oder Hornissen.

Daher ist es wichtig, Getränke abzudecken, um Tiere nicht in den Mund oder Rachen gelangen zu lassen. In seltenen Fällen wollen die Gemeine Wespe oder die Deutsche Wespe an Grillwaren, Kuchen oder Eis von unserem Tisch beteiligt werden. Hier kann man sogenannte Opferteller weiter weg von der eigenen Kaffeetafel oder der Grillplatte aufstellen, so dass Mensch und Tier ungestört jeder für sich schlemmen kann.

Darf man Wespennester entfernen?

Wie bei Hummeln, Honigbienen und anderen Wildbienen verbieten das Bundesnaturschutzgesetz sowie das Tierschutzgesetz auch bei Wespen und Hornissen das Töten, Verletzen, Fangen und sogar das mutwillige Beunruhigen der Tiere.

Hinzu kommen die Vorgaben der Bundesartenschutzverordnung. Hier wird eine Unterscheidung gemacht, bei der bestimmte Arten oder ganze Tiergruppen als besonders geschützte Arten gelistet werden. Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, diese besonders geschützten Arten zu töten. Zu diesen zählen u.a. alle Arten der heimischen Bienen, Hummeln und Hornissen.

Zu den besonders geschützten Arten gehören nicht die Deutsche Wespe oder die Gemeine Wespe. Ebenso nicht die Sächsische, die Mittlere Wespe sowie die Wald- und Feldwespen.

Will man ein störendes Wespennest aus den nachfolgenden Gründen entfernen lassen, so muss ein Experte hinzugezogen werden, der unterscheiden kann, um welche Art – geschützt oder nicht geschützt – es sich handelt:

  • Akute Gefahr für die Sicherheit von Menschen oder Tieren
  • Kleinkinder, Kinder oder Menschen mit Allergien sind gefährdet
  • Das Wespenvolk zeigt sich sehr aggressiv
  • Lebensmittel können verunreinigt werden (Waren für den Verkauf oder gelagerte Waren)
  • Arbeiten an Gebäuden etc. können ohne Entfernung des Nests nicht durchgeführt werden

Bei Hornissen, Hummeln und anderen geschützten Arten sollte man sich zunächst fragen, ob man sich nicht mit der Anwesenheit der Tiere arrangieren kann. Sie sind ja nicht ohne Grund geschützt. Das Nest wird ohnehin im Spätherbst verlassen; die Tiere kehren in dieses nicht mehr zurück. Zudem sind sie wesentlich friedfertiger als die Deutsche bzw. Gemeine Wespe.

Mögliche Anpassungen an Mitbewohner auf dem Grundstück, dem Dachboden oder im Schuppen können das Anbringen von Fliegengittern sein oder Abschirmungen bzw. Stellwände, die die Tiere nach dem Ausflug aus dem Nest in eine andere Richtung als bisher leiten. 

Die Untere Naturschutzbehörde Märkischer Kreis (landschaft(at)maerkischer-kreis.de, 02351-966 60) kann über eine Ausnahmegenehmigung zum Entfernen von Nestern entscheiden, wenn dieses eine akute Gefahr darstellt. Die UNB nennt drei verschiedene Ansprechpartner mit dem Hinweis, dass die Wahl des Bekämpfenden Angelegenheit der anfragenden Person ist 

Europäische Hornisse

Heimische Hornissen sind die größten in Europa lebenden Wespen. Die Königinnen werden bis zu 3,8 cm lang. Sie gehören zu den besonders geschützten Arten und leben bevorzugt in lichten Wäldern, Gärten und Parks.

Ihre Nester bauen sie aus einem papierartigen Material, das sie aus abgeschabtem Holz mit Speichel vermischt selbst herstellen. Nester befinden sich oft in Baumhöhlen, Nistkästen, Schuppen oder Dachböden. Das Volk erreicht im Sommer zwischen 600 und 1000 Individuen.

Der Kopf ist gelbbraun, die Brust braun mit rötlichen Schultern. Der Hinterleib ist schwarz-gelb geringelt. Erwachsene Tiere ernähren sich von Fallobst und Baumsaft; für die Larvenaufzucht wird tierisches Eiweiß benötigt, u.a. Fliegen und Wespen, danach kommen Bienen auf dem Speiseplan.

Der Vorteil von Hornissen auf dem Grundstück besteht darin, dass sie Wespen fernhalten. Es wurden schon organisierte Angriffe auf bereits bestehende Wespennester beobachtet.

Die Tiere sind nachtaktiv, daher sollten bei nachts beleuchteten Fenstern Fliegengitter Verwendung finden. Der Stich ist nicht giftiger als ein Bienenstich; die Giftmenge sogar geringer als bei der Biene. Die Schmerzwirkung ist aufgrund der Giftzusammensetzung stärker. Eine Gefahr besteht nur für Allergiker!

Beeindruckend ist die Gesichtserkennung der Tiere. Sie können menschliche Gesichter als Anordnung von Mustern wahrnehmen und sich auch merken, was ein Zusammenleben von Mensch und Hornisse im gemeinsam genutzten Garten vereinfacht.

Normalerweise sind europäische Hornissen außerordentlich friedfertig. Hierzu gehört ein wenig Rücksichtnahme durch den Menschen: Keine schnellen Bewegungen machen; die Tiere nicht anpusten; das Nest nicht berühren oder erschüttern; die Flugbahn vor dem Ausflugloch nicht verstellen; nicht parfümiert in die Nähe des Nests begeben; nicht nach den Tieren schlagen.

Asiatische Hornisse

Die asiatische Hornisse ist in Europa eine invasive Art, die vermutlich 2004 / 2005 erstmalig nach Frankreich gelangte. Dort gab es in Südfrankreich die ersten Sichtungen. Seitdem breitet sie sich nach Osten und Norden stetig aus. 2014 gab es den ersten Fund in Rheinland-Pfalz, 2022 folgten insgesamt neun Sichtungen in NRW. In 2025 waren es bereits 7.300.

Die asiatische Hornisse bildet mittlerweile stabile Populationen, da die Winter insgesamt milder werden und die Art hier kaum Fressfeinde hat. Sie ist ein wenig kleiner als die heimische Hornisse und unterschiedet sich von dieser durch ein insgesamt dunkleres Erscheinungsbild mit fast schwarzem Hinterleib, schwarzem Brustbereich und gelben Beinen.

Die asiatische Hornisse bildet im Frühjahr durch die überwinternde Königin häufig ein Primärnest, das meist niedrig in Gebüschen oder selten baulichen Strukturen angelegt wird. 

Sekundärnester werden ab Juli frei hängend z.B. in Baumkronen oder anderen hohen Strukturen angelegt (meist mehr als 10 m Höhe) und können eine Größe von einem Meter Höhe und einen Durchmesser von 80 cm erreichen. Sie beherbergen meist einige tausend Individuen. Selten wurden im Erdboden angelegte Nester gefunden.

Die adulte (erwachsene) asiatische Hornisse ernährt sich von Aas, reifem Obst, Nektar u.a., für die Larvenaufzucht wird aber proteinreiche Kost benötigt. Hierfür besteht die Beute bis zu einem Drittel aus Honigbienen, da diese sehr einfach am Ausflugloch des Stocks abzugreifen sind. Hornissen warten dort regelrecht auf ihre Nahrung. In ländlichen Bereich sind Fliegen, Mücken, Käfer oder Aas Hauptnahrung.

Für den Menschen besteht in der Regel keine Gefahr, beide Hornissenarten sind sehr friedlich und reagieren nur bei Störung des Nestbetriebs mit warnendem Verhalten bis hin zum Stich. Dieser ist aber auch nur bei Allergikern gefährlich wie auch der Stich von Honigbienen oder Wespen.

Seit März 2025 gehört diese Hornissenart in Deutschland zu den sogenannten etablierten Arten. Es besteht keine Melde-, Bekämpfungs- und Ausrottungspflicht mehr. Zurzeit gilt bei der Entdeckung von Nestern der asiatischen Hornisse Folgendes:

  1. Landwirtschaftskammer
  2. Wenn in Naturschutz- oder FFH-Gebieten Nester der asiatischen Hornisse gefunden werden, sollten diese der Unteren Naturschutzbehörde gemeldet werden (und nur für diese Bereiche!).
  3. Auf städtischen Flächen kann bei akuter Gefahr für Menschen ein Neststandort an das Ordnungsamt der Stadt Iserlohn gemeldet werden. Hierbei ist immer zu beachten, dass die Tiere bei vorsichtigem Verhalten (Abstand zum Nest wahren; das Nest nicht berühren; nicht nach den Tieren schlagen oder sich vor das Ausflugloch stellen; nicht parfümiert in die Nähe des Nestes gehen) nicht gefährlich oder aggressiv sind.

Orientalische Hornisse

Diese bemerkenswerte Art wurde in Deutschland das erste Mal 2024 in Mannheim nachgewiesen. Sie ist, wie auch die asiatische Hornisse, durch den Klimawandel begünstigt und breitet sich weiter aus.

Die Tiere haben meist einen schokoladenbraunen Körper mit einer breiten gelben Binde am Hinterleib. Königinnen werden bis 35 mm lang.

Das Nest wird meist unterirdisch in ehemaligen Kleinsäugerbauten angelegt und liegt 20 bis 60 cm tief im Boden. Selten werden Nester oberirdisch in menschlichen Bauten und Siedlungen angelegt. Die Nester beherbergen zwischen 250 bis 400 Tiere.

Honigbienen gelten als wichtigste Nahrungsquelle.

Normalerweise bringen sich Insekten durch Muskelzittern auf Flugtemperatur. Die orientalische Hornisse besitzt in der gelben Binde des Hinterleibs in die Haut eingelagerte Halbleiterkristalle. Mit diesen kann sie Sonnenlicht in Strom umwandeln und diesen auch in der Haut speichern. Der Strom wird verwendet, um den Bewegungsapparat oder Stoffwechselprozesse mit Energie zu versorgen.

Im Märkischen Kreis wurden bisher keine Tiere gesichtet.